Anleihen: Wofür gibt es die Risikoprämie?

Anleihen Wofuer gibt Risikopraemie
Anleihen Wofuer gibt Risikopraemie(c) BilderBox.com
  • Drucken

Defizit und Staatsschulden sind nicht die einzigen Treiber für Risikoaufschläge bei Staatsanleihen.

Kaufen Investoren Staatsanleihen, gehen sie ein Risiko ein. Dass dieses Risiko manchmal auch beträchtlich sein kann, führt der Fall des hochverschuldeten Eurolandes Griechenland drastisch vor Augen. Wenn das südosteuropäische Land zahlungsunfähig wird, wäre der Wert der griechischen Staatsanleihen dahin. Die CDS-Spreads (Credit Default Swaps), die als Indikatoren für die Ausfallswahrscheinlichkeit dienen, schnellten angesichts der katastrophalen fiskalischen Lage des Landes in den vergangenen Wochen dramatisch in die Höhe.

Da das Ausfallsrisiko höher war, stiegen auch die Risikoaufschläge im Handel der griechischen Bonds, die Renditen (die sich immer gegenläufig zu den Anleihekursen entwickeln) gingen in die Höhe.

Finanzforscher beschäftigen sich nun eindringlich damit, was den Risikoaufschlag für souveräne Staaten bestimmt. Das Ergebnis bisheriger Studien wird für viele überraschend kommen: Die länderspezifischen Faktoren (also etwa das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung) haben auf lange Sicht nur geringe Auswirkungen. „Bei den langfristigen durchschnittlichen CDS-Spreads und Anleiherenditen gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen Ländern mit höherem Defizit und höherer Staatsverschuldung und Ländern mit niedrigerem Defizit und niedriger Staatsverschuldung“, sagt Engelbert Dockner, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien und Partner des Instituts für quantitatives Assetmanagement (IQAM).

Was treibt dann die Risiken? Laut Dockner ist es jeweils ein globaler Risikofaktor, der alle Länder betrifft. Ein globaler Faktor wäre etwa die Korrelation des jeweiligen Finanzmarktes zum US-Markt. Dockner: „Die entscheidende Frage für das Assetmanagement ist, ob dieser globale Risikofaktor eine eigene Prämie hat. Wenn ja, kann man daraus eine eigene Risikoklasse definieren.“

andreas kerschbaumer

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2010)


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.