Die Bilanz sieht erfreulich und ernüchternd zugleich aus. Erfreulich, weil vier Teams in der Europa League spielten. Ernüchternd, weil der beste Spieler der Liga, Somen Tchoyi, zu schwach für das Team Kameruns ist.
Der österreichische Fußball hat sich in der abgelaufenen Saison gut verkauft. Vier Klubs schafften es in die Europa League. Das war beileibe keine Selbstverständlichkeit. Sonst hätte man die Spiele Rapid gegen Hamburg oder Salzburg gegen Lazio Rom und Villarreal im ORF gesehen. Doch der Sender konnte auch nicht damit rechnen, dass die Klubs so gut sind. Das Meisterschaftsfinale war spannend wie seit Jahren nicht. Dass am Ende Salzburg wieder den Meisterteller einheimst, ist ein Glück für den heimischen Fußball. Denn das Team von Huub Stevens hat nun einmal den besten Kader und somit die größten Chancen, die Qualifikation für die Champions League zu schaffen. Aber die Salzburger werden auch viel Losglück brauchen, um endlich in die Königsklasse aufzusteigen.
Damit wäre man auch schon bei den ernüchternden Tatsachen. Die heimische Liga ist international gesehen noch immer im Niemandsland. Gerade vor der WM in Südafrika wird dies offensichtlich. Der beste Spieler der abgelaufenen Meisterschaft, Somen Tchoyi, wurde nicht fürs Team Kameruns nominiert. Es zeichnet sich ab, dass kein einziger Legionär in der österreichischen Liga zur WM fahren wird.
Wie schwer es die Stars der Liga im Ausland haben, zeigten ohnehin die Transfers im Herbst. Jimmy Hoffer kam in Napoli unter die Räder. Stefan Mayerhofer setzte sich in England nicht durch. Marc Janko schoss im Vorjahr 39 Tore und erhielt trotzdem kein interessantes Angebot aus dem Ausland. Mittlerweile ist er trotz seiner 18 Treffer in dieser Saison auch beim eigenen Trainer nicht mehr gefragt.
International konkurrenzfähig ist offenbar nur Rapids Trainer Peter Pacult. Er wandelt auf den Spuren eines Diego Maradona. Pacult mag der bessere Trainer von beiden sein. In puncto Benehmen steht er dem argentinischen Rüpel allerdings kaum nach.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2010)