Rudi Roubinek: Der Hofmeister wird Kaiser

Schauspieler Rudi Roubinek im selbst durch die Gänge geschleppten Samtsessel. Auf der Rosenburg mimt er nun den Kaiser.
Schauspieler Rudi Roubinek im selbst durch die Gänge geschleppten Samtsessel. Auf der Rosenburg mimt er nun den Kaiser.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Auf der Rosenburg steigt Rudi Roubinek diesen Sommer zu Joseph II. auf. Der Schauspieler über Etikette, absolute Chefs und Message Control.

Rudi Roubinek ist sich nicht zu fein, um den schweren dunkelroten Polstersessel gemeinsam mit dem Fotografen durch die engen Gänge und wieder zurück zu schleppen: das majestätischste Element, das in den Räumlichkeiten der Probebühne gerade verfügbar ist. Joseph II. sei ja immerhin auch ein volksnaher Kaiser gewesen, sagt der Schauspieler und schmunzelt, als er das Samtungetüm durch die Tür manövriert – volksnah für kaiserliche Verhältnisse halt.

Wie Roubineks Interpretation des Reformkaisers, der zunächst mit, dann ohne seine Mutter, Maria Theresia, regierte, auf der Bühne aussieht, kann man noch bis zum 4. August auf der Rosenburg im niederösterreichischen Kamptal erleben. Vom Obersthofmeister Seyffenstein, den der 49-Jährige neben Kaiser Robert Palfrader seit inzwischen zwölf Jahren in der ORF-Satiresendung „Wir sind Kaiser“ darstellt, ist Rudi Roubinek nämlich nun sozusagen aufgestiegen: In dem Stück „Amadeus“ gibt er diesen Sommer nämlich nicht den Hofbeamten – sondern den Regenten höchstselbst.

„Eine archetypische Figur“

„Ich würde lügen, wenn ich sagte, ich hätte den Gedanken nicht charmant gefunden“, sagt er – nicht zuletzt, weil Joseph II. anders als ORF-Kaiser Robert Heinrich I. eine historische Figur sei, ein echter Monarch. Intendantin Nina Blum habe ihm angeboten, entweder einen der beiden Venticelli zu spielen, die in dem Stück die Gerüchteküche symbolisieren – oder eben den Kaiser. „Und das fand ich dann schon witzig.“

In dem Stück ist er natürlich trotz allem fiktiv. „Meiner Meinung nach ist diese Figur archetypisch für den absolutistischen Monarchen oder den absoluten Chef“, sagt Roubinek: einen, der sich bisweilen nicht auskennt – nach dessen Wünschen aber trotzdem alles läuft. Gerade in diesem Stück von Peter Shaffer (das 1984 verfilmt wurde), werde das in seiner Absurdität auf die Spitze getrieben: in dem Satz „Zu viele Noten“, mit dem der Regent die „Entführung aus dem Serail“ kommentiert. „Deutlicher kann man seine Ahnungslosigkeit ja gar nicht preisgeben. Aber er ist halt der Kaiser.“

Das dahinterstehende Thema ist für Roubinek jedenfalls immer noch ein spannendes. „Diese höfische Etikette, das fasziniert mich schon sehr“, sagt der einstige Politikwissenschaftsstudent, der sich 2010 mit „Wir bleiben Kaiser“ auch in einem Buch (und dann einem Kabarettprogramm) satirisch mit den Überbleibseln der Monarchie befasst hat. „Ich finde, dass das in Rudimenten heute noch übrig geblieben ist“, sagt er. „Wenn man sich anschaut, wie mit honorigen Persönlichkeiten oder mit einem Chef umgegangen wird . . . Dieses Untertanentum hat in Österreich eine lange Tradition.“

„Gebe die Hoffnung nicht auf“

Dass Roubinek sein Studienfach – bei dem ihm zum Abschluss eigentlich nur noch die Diplomarbeit gefehlt hat – nicht ohne Grund gewählt hat, wird spätestens dann klar, als das Gespräch von der Ibiza-Affäre über die spannende Rolle des Parlaments und die Übergangsregierung bis hin zu Bundespräsident Alexander Van der Bellen führt, der sich im Zuge der Regierungskrise „wirklich im positiven Sinn als eine Führungsfigur herausgestellt“ habe, wie der Schauspieler sagt.

Apropos Politiker: Für „Wir sind Kaiser“ – bei dem ein Ende auch nach zwölf Jahren derzeit nicht in Sicht ist – hätte sich Roubinek „wahnsinnig gewünscht“, dass Michael Häupl und Erwin Pröll einmal zu einer Doppelaudienz erscheinen. „Mittlerweile sind sie ja in Pension, ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.“ Und Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz? „Schauen wir einmal“, sagt der Obersthofmeister. „Aber ich glaube nicht, dass ,Wir sind Kaiser‘ und Message Control zusammengehen. Da spießt sich irgendwas.“

Zur Person

Rudolf Roubinek (49) wurde durch seine Rolle als Obersthofmeister Seyffenstein in der Satiresendung „Wir sind Kaiser“ bekannt. Er hat Politikwissenschaft und Publizistik studiert, aber nicht abgeschlossen. Seit 1995 ist er in der TV-Branche tätig. Auf der Rosenburg im Kamptal spielt er bis 4. August in „Amadeus“ Kaiser Joseph II. Das Stück – nach der Vorlage von Peter Shaffer – beleuchtet das Leben von Wolfgang Amadeus Mozart aus der Sicht von Antonio Salieri.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2019)

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