Österreicher bei der Tour: Von Traumszenarien und Flaschenträgern

Patrick Konrad will vorne mitfahren.
Patrick Konrad will vorne mitfahren.(c) imago images / Panoramic Interna (Vincent Kalut)

Vier Österreicher nehmen die Tour de France unter die Räder. Ihre Aufgaben sind völlig unterschiedlich: Während Patrick Konrad auf die Top Ten losgeht, müssen Lukas Pöstlberger und Co. ihre eigenen Ziele hintanstellen.

Paris/Wien. Am Samstag fällt in Brüssel der Startschuss für die 106. Tour de France. Bei der Zielankunft am 28. Juli in Paris werden 21 Etappen, 3480 Kilometer und 65 Bergwertungen absolviert sein. Die Favoriten: Vorjahressieger Geraint Thomas, Egan Bernal, Vincenzo Nibali, Adam Yates und die Lokalmatadore Romain Bardet und Thibaut Pinot. Mit von der Partie sind auch vier Österreicher.

Patrick Konrad. Der 27-Jährige ist Österreichs derzeit bester Rundfahrer (7. beim Giro d'Italia 2018, 3. bei der Tour de Suisse 2019). Im bayerischen Bora-Team sind der Niederösterreicher und der Deutsche Emanuel Buchmann für die Gesamtwertung vorgesehen. Ein Top-Ten-Platz ist das erklärte Ziel, Team-Manager Ralph Denk zufolge soll Konrad an die Platzierung im Giro 2018 anschließen.

Konrad hat im Vorfeld seines zweiten Tourstarts Selbstvertrauen getankt. „Nach dem Tour-de-Suisse-Podest fahre ich mit herausgestreckter Brust zur Tour“, erklärte der Kletterspezialist. Er schloss nicht aus, die Initiative zu ergreifen. „Ich habe das Niveau, dass man sich was trauen kann, aber es darf keine Harakiri-Aktion sein. Es ist viel möglich, das Traumszenario wäre, dass Buchmann und ich weit vorne mitfahren.“

Lukas Pöstlberger. Der Sieger der Giro-Auftaktetappe von 2017 fährt wie Konrad für das Bora-Team und soll sich als Helfer um die Klassementfahrer, aber auch um Sprintstar Peter Sagan kümmern. Der dreifache Weltmeister will zum siebenten Mal das Grüne Punkte-Trikot. „Am besten wäre es, allen gleich gut zu helfen. Das wird eine Challenge“, meinte Pöstlberger. Der Oberösterreicher, 27, hat seine eigenen Ziele hintangestellt, er soll vor allem in der Sprintvorbereitung für hohes Tempo sorgen. „Wenn dann ein Teamkollege gewinnt, freut man sich so mit, als ob man selbst gewonnen hätte.“ Auch die Stars wissen ihre Helfer zu schätzen.

Gregor Mühlberger. Wie Pöstlberger kommen auch auf den dritten Österreicher im Bora-Team Helferaufgaben zu. Mühlberger soll als starker Kletterer die Chefs in den Bergen möglichst lang unterstützen. „Es kann viel passieren, daher ist es gut, dass wir zwei Kapitäne haben“, meinte der Niederösterreicher, 25. Eigene Ziele bleiben im Hintergrund. „Aber vielleicht ergibt sich eine Situation und ich kann meine Chance ergreifen.“

Marco Haller. Der routinierte Klassiker-Spezialist startet zum vierten Mal für das Katjuscha-Team. Der Kärntner, 28, hat heuer schon den Giro absolviert, der Tourauftakt ist sein bereits 60. Renntag, er wird dabei seinen 10.000 Rennkilometer 2019 fahren. „Ein ordentliches Programm“, meint Haller. „Aber wichtig ist, dass mir Radfahren richtig viel Spaß macht.“ Sein Team setzt mit dem Russen Ilnur Sakarin in Frankreich ausschließlich auf Etappenerfolge. „Somit öffnen sich ein paar Türen. Ich hoffe, dass ich mich in einer guten Fluchtgruppe zeigen kann.“

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