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Managementwahnsinn - Wahnsinnsmanagement

Führen in dynamischen Zeiten

Kolumne "Hirt on Management": Folge 102.

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ schreibt Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen über herausfordernde Situationen und kritische Entscheidungen für Manager. Diese Woche hat Hirt mit dem CEO von BMW Österreich gesprochen.

Christian Morawa ist ausgebildeter Maschinenbauingenieur und studierte Wirtschaft. Vor seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der BMW Austria war er Managing Director für Österreich und die Schweiz bei der Auto1 Group. Morawa ist seit mehr als 20 Jahren in unterschiedlichen Bereichen und Führungsfunktionen im Automobilbereich tätig.

Hirt fragt: Herr Morawa, die Automobilindustrie ist in einer hochdynamischen Umbruchphase. Was machen Sie, um diesen Übergang erfolgreich zu managen?

Christian Morawa antwortet:

Tatsächlich befindet sich unsere Industrie in einem gewaltigen Veränderungsprozess – von der E-Mobilität über das Autonome Fahren bis zu digitalen Services, gibt es zahlreiche Themen, deren Bewältigung über die Zukunft jedes einzelnen Herstellers entscheidet.

Als Technologieführer unserer Branche haben wir bei der BMW Group eine hervorragende Zukunftsstrategie, aber der Wandel geschieht ohne Frage in einem unglaublichen Tempo. Ein aktuelles Beispiel: Die bislang für 2025 angekündigte Zahl von 25 elektrifizierten Modellen wird unser Unternehmen nun bereits 2023 und damit zwei Jahre früher im Angebot haben. Wenn man weiß, was damit alles verbunden ist, von der Produktion bis zur Vertriebsschulung, dann ist das eine große Challenge für alle Bereiche unserer Company.

Nun ist die E-Mobilität wohl das prominenteste Beispiel der Branche, aber tatsächlich finden auf allen Ebenen umfassende Veränderungen statt. Auch in Österreich sind viele Tausend Menschen, die direkt oder indirekt für die BMW Group arbeiten, täglich mit unserem Wandel zur Tech-Company konfrontiert.

Nun zum Kern Ihrer Frage: Es gibt für mich zwei wesentliche Faktoren im Transformationsprozess – Verständnis und Teilhabe. Eine wichtige Aufgabe des Changemanagements ist, die Notwendigkeit des Wandels so zu erklären, dass jeder Mitarbeiter ihn akzeptieren kann – das ist der erste Faktor, Verständnis.

Gleichzeitig muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass jeder Einzelne am Gelingen des Transformationsprozesses beteiligt ist – das ist der zweite Faktor, Teilhabe.

Verständnis und Teilhabe sind unerlässlich, wenn man nicht Gefahr laufen will, die Organisation mit dem Wandel zu überfordern. Das ist auch ein wesentliches Learning, das ich aus meiner Zeit im Start-up gezogen habe!

Für mich bedeutet das, nicht nur unsere Zukunftsstrategie „Number ONE > Next“ umzusetzen, sondern auch, kontinuierlich darüber aufzuklären, warum wir das machen und warum jeder ein Teil davon sein muss. Das Gleiche erwarte ich natürlich auch von meinem Managementteam.

Gerade in dynamischen Zeiten ist es sehr wichtig, dass Führungskräfte strategisch und gleichzeitig hochflexibel agieren, um sich den sehr oft volatilen Rahmenbedingungen optimal anzupassen.

Ganz entscheidend ist natürlich auch die Unternehmenskultur. Bei der BMW Group beziehen wir die Mitarbeiter auf breiter Basis in unseren Transformationsprozess ein.

Transparenz und Offenheit sind wesentliche Säulen unserer Zusammenarbeit, das erleichtert es einen konstruktiven Dialog zu führen und Verständnis und Teilhabe zu verankern. So ziehen wir uns beispielsweise auch einmal für einen Tag zurück um strategische Weichenstellungen zu diskutieren – und zwar mit allen 400 Mitarbeitern.

Christian Morawa ist der CEO von BMW Österreich.
BMW

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Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 18. Juli 2019 zur Frage: Wie Sie verhandeln, wenn Scheitern keine Option ist

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

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