Trump bricht sogar am 4. Juli mit allen Konventionen

REUTERS/Jonathan Erns

Der US-Präsident funktioniert den Unabhängigkeitstag mit Panzern und Kampfjets zum Wahlkampf-Hurra um.

Emmanuel Macron hatte Donald Trump mit seiner Einladung zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli samt obligater Militärparade auf den Champs Elysées vor zwei Jahren auf eine Idee gebracht. Was die Franzosen können, das können wir Amerikaner schon lange, mag sich der US-Präsident gedacht haben. Doch das Pentagon machte ihm mit einer Kostenschätzung von mehr als 90 Millionen Dollar für eine Militärparade in Washington am vergangenen Veterans Day im November kurzerhand einen Strich durch die Rechnung.

Dann eben in abgespeckter Form am Unabhängigkeitstag am 4. Juli, mit „brandneuen“ Panzern, wie Trump fälschlicherweise sagte: mit Kampfjets und der Air Force One über der Mall, der Prachtmeile der Hauptstadt, und einem halbstündigen Feuerwerk, das alle Stückerln spielt, samt einem in den Nachthimmel gesprühten Sternenbanner und dem Schriftzug USA zum Finale furioso.

Das Pentagon steht einer solchen Demonstration der Militärmacht skeptisch gegenüber: Sie erinnert zu sehr an Moskau, Peking und Pjöngjang – erst recht am Unabhängigkeitstag, einem Fest des Patriotismus und der Überparteilichkeit, das bis dato weder die Republikaner noch die Demokraten für sich reklamiert hatten.

Doch Trump nutzt den 4th of July zu Wahlkampfpropaganda, zu einer Trump-Show - größer, schillernder, egozentrischer. Als erster US-Präsident hält er am Abend des Geburtstags der Nation in einem sogenannten „Salute to America“ eine Rede vor dem Lincoln Memorial, flankiert von den Chefs der Militärgattungen. Und er wird dabei, das lässt sich gefahrlos prophezeien, nicht mit Lob für sich und seine Präsidentschaft sparen. Hurra-Patriotismus à la Trump. Währenddessen mischen sich seine demokratischen Herausforderer in Iowa, in kleinem Rahmen und ohne die Firepower des Weißen Hauses, unter das Wahlvolk.

Nicht einmal der 4. Juli wird heute also frei von Wahlkampfpolemik bleiben. Dass Donald Trump mit dieser Konvention bricht, sollte indessen niemanden überraschen – eher schon, dass es zweieinhalb Jahre gedauert hat.

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