Ach wären wir doch Barbaren geblieben!

Es war wohl ein hartes Los, in seinem Reich zu leben: Sargon, König von Akkad, um 2250 v. Chr. Sein Bronzekopf schmückt ein Museum in Bagdad.
Es war wohl ein hartes Los, in seinem Reich zu leben: Sargon, König von Akkad, um 2250 v. Chr. Sein Bronzekopf schmückt ein Museum in Bagdad.picturedesk.com

Der Politologe James C. Scott zerlegt in „Die Mühlen der Zivilisation“ unseren Fortschrittsmythos: Nomaden lebten besser als Ackerbauern, die ersten Staaten waren Maschinerien der Unterdrückung. Aber was ist die Lehre daraus?

Im kleinen gallischen Dorf gab es keine Tempel und keine Schriftrollen, nur Holzhütten. Archäologen würden an seinem Standort außer ein paar Hinkelsteinen nichts finden. Aber seinen Bewohnern fehlte es an nichts, ihr Leben war fröhlicher und freier als das der römischen Soldaten in den umliegenden Lagern. Auch vom Glanze Roms ließ sich kein wackerer Gallier beeindrucken. Warum lachen wir über Asterix? Weil wir diesem Comic, der unser Narrativ von Zivilisation augenzwinkernd auf den Kopf stellt, keinen Glauben schenken. James C. Scott aber meint es bitterernst. Der amerikanische Politologe, einer der meistzitierten seines Fachs, hat ein Gelehrtenleben lang Zeugnis abgelegt für all jene, die sich den Zwängen des Staates entziehen. Mit „Die Mühlen der Zivilisation“ – vor zwei Jahren im Original, soeben auf Deutsch erschienen – liefert der 82-Jährige das Fundament seiner anarchistischen Weltdeutung nach: Wie alles begann. Nämlich ganz anders, als wir dachten.