Was das Glyphosat-Aus für Bayer bedeutet

Bayer hat mehr als 13.000 Klagen wegen mutmaßlicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat am Hals.
Bayer hat mehr als 13.000 Klagen wegen mutmaßlicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat am Hals.REUTERS

Österreich ist für Bayer ein unbedeutender Markt. Hilfreich ist das Verbot für die Monsanto-Mutter trotzdem nicht.

Wien/Leverkusen. Es gab schon bessere Tage für Bayer. Den österreichischen Beschluss, das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat komplett zu verbieten, nahm der deutsche Konzern „mit Bedauern“ zur Kenntnis. Die Entscheidung des österreichischen Nationalrats stehe „im Widerspruch zu umfangreichen wissenschaftlichen Ergebnissen“, teilte der Pharma- und Chemiekonzern am Dienstagabend mit. Die nunmehrige Bayer-Tochter Monsanto hatte den Wirkstoff Glyphosat auf den Markt gebracht. Er steht im Verdacht, krebserregend zu sein. SPÖ, FPÖ, Liste Jetzt und Neos haben am Dienstag ein Totalverbot des umstrittenen Mittels beschlossen. Das gibt es bisher in keinem anderen EU-Land. Was aber noch lang nicht heißt, dass der Beschluss auch hält. das Verbot könnte EU-rechtswidrig sein. Die EU-Pflanzenschutzverordnung, die auch für Österreich gilt, erlaubt den Einsatz von Glyphosat noch bis Ende 2022. Sie sieht zwar Ausnahmen vor, aber nur sehr eingeschränkt.

Auf dieses Pferd setzt nun der Bayer-Konzern, der immer noch an den Folgen der Monsanto-Übernahme laboriert. Bayer hat mehr als 13.000 Klagen wegen mutmaßlicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat am Hals. Die Aktie hat binnen eines Jahres rund 50 Prozent eingebüßt. Nun hofft der Konzern, dass der österreichische Beschluss „von der EU-Kommission kritisch hinterfragt und rechtlich angefochten“ wird.

 

Bayer sucht nach Alternativen

Wenngleich Österreich für den Chemieriesen ein vernachlässigbarer Markt ist, hat das Totalverbot doch Symbolkraft. Es markiert einen weiteren Schritt im Abrücken Europas von Glyphosat. Auch Deutschland plant den schrittweisen Ausstieg bis spätestens 2023. Frankreich will die Verwendung von Glyphosat ab 2021 mit wenigen Ausnahmen einstellen. In anderen EU-Ländern gibt es bereits teilweise Verbote.

Entscheidend wird vor allem sein, ob Glyphosat über das Jahr 2022 hinaus in der EU zugelassen wird. Bayer tritt derweil schon die Flucht nach vorn an und investiert in den nächsten zehn Jahren rund fünf Milliarden Euro in die Entwicklung zusätzlicher Methoden zur Unkrautbekämpfung. Glyphosat werde aber „weiterhin eine wichtige Rolle“ in der Landwirtschaft und für Bayer spielen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2019)