Doppelsieg beim Klassiker für die Red Bull-Piloten Markl Webber und Sebastian Vettel. Der Australier Webber zeigte den Formel-1 Fans in Monaco einen eindrucksvollen Start-Ziel-Sieg. Schumacher kassiert 20-Sekunden-Strafe.
MONTE CARLO (fs/fin). Mark Webber strahlte wie ein kleines Kind. Ehrfürchtig, mit bedachten Schritten näherte sich der 33-jährige Australier Prinz Albert und nahm in der Fürstenloge den Pokal für den Sieg im Formel-1-Rennen von Monaco entgegen. Es war Webbers erster Triumph in Monte Carlo, der als begehrtester Sieg in der Rennfahrerszene gilt. Nur noch Le Mans und Daytona besitzen ähnliche Strahlkraft wie Monte Carlo. Webber feierte nach Barcelona den zweiten Sieg in Serie, hinter ihm sicherte Sebastian Vettel vor dem Polen Robert Kubica (Renault) den vollen Erfolg für Red Bull Racing ab.
Webber und Vettel führen nun punktegleich die Fahrer-WM an, für den Australier und Red Bull ist das eine Premiere. Auch in der Konstrukteurs-WM führt der Dosen-Rennstall erstmals, Motorsportchef Helmut Marko ist begeistert. „Das ist fantastisch, unsere Autos haben gehalten, Webber ist ein tolles Rennen gefahren. Für uns der absolute Höhepunkt.“
Crashs und peinliche Patzer
Vor dem Start hatten sich die Spekulationen noch gehäuft, das aus 24 Autos bestehende Starterfeld würde binnen weniger Runden im Stau stehen. Doch was Prognosen während des Rennens wert sind, zeigte sich nach wenigen Metern. Der Deutsche Nico Hülkenberg donnerte mit seinem Williams nach der Tunnelausfahrt in die Leitplanken. In Runde drei war der Arbeitstag für Jenson Button vorbei, nachdem sich die McLaren-Crew den Lapsus geleistet hat, auf eine Kühlerabdeckung zu vergessen. Fazit: Der Motor überhitzte zwangsläufig. Zurück blieb ein zorniger Pilot und ein Brandfleck am Rennauto.
Aber nicht nur mit solchen Handicaps mussten sich die F1-Piloten auseinandersetzen, als sie mit 270 Stundenkilometern auf das Casino zusteuerten, sondern auch mit einem lockeren Kanaldeckel.
Alonsos Aufholjagd
Bestechen Formel-1-Rennen an sich durch anhaltende Monotonie aufgrund ausbleibender Überholmanöver, erlebte Monaco 2010 eine Aufholjagd der Extraklasse. Fernando Alonso musste aus der Boxengasse starten. Tags zuvor hatte er den Ferrari in der berüchtigten Massenet-Kurve derart demoliert, dass an ein Qualifying nicht mehr zu denken war. Der Spanier fuhr furios, er tauschte in der Safety-Car-Phase seine Reifen und zeigte, warum er ein Rennfahrer ist. Der zweimalige Weltmeister arbeitete sich von Platz 24 kurzfristig auf Rang sechs vor und bewies, dass sich Formel 1 in Monte Carlo und Überholen keineswegs gegenseitig ausschließen müssen.
Schumacher von FIA mit Strafe belegt
Krönendes Highlight der Duelle war die Kollision von Jarno Trulli (Lotus) mit dem Inder Chandhok (Hispania Racing). Trulli fuhr auf, hob ab und beide Autos blieben ineinanderverkeilt hängen. Damit war wieder eine Safety-Car-Phase fällig, die Autos fuhren die letzten drei Runden dem Mercedes SLS AMG hinterher. Als dieser vor der Zielgeraden in die Box abbog, gab einer Gas: Michael Schumacher. Er trickste Alonso aus und schnappte sich Platz sechs - vorerst. Für das regelwidrige Manöver kassierte der Rekordweltmeister von der FIA eine 20-Sekundenstrafe und beendet das Rennen damit auf Platz 12. Damit ist die Welt in der Formel 1 heil. Ohne Schumacher-Skandal wäre es für viele wohl nur halb so schön.
Ferraris Flirt mit Webber
Angesichts der Leistungen, die der Australier Webber abliefert, ist es wenig verwunderlich, dass er auch der Hauptprotagonist in der Gerüchteküche ist. Es wird gemunkelt, dass nun auch Ferrari an seinen Fahrkünsten Gefallen gefunden hat. Alonso und Webber wäre die Traumpaarung der Italiener, der Vertrag des Brasilianers Felipe Massa läuft ohnehin mit Saisonende aus.
Die zweite Option als Massa-Ersatz soll Robert Kubica sein, auf den die Scuderia angeblich bis 2011 eine „Option“ besitzt. Fällt diese Alternative ins Wasser, ist Webber der Mann im Ferrari-Cockpit. Damit wäre wiederum ein Platz bei Red Bull frei. Und auch dieser Job scheint vergeben. Nicht zufällig hält sich mit Kimi Räikkönen ein ehemaliger Formel-1-Weltmeister derzeit in der Rallye-WM im von Red Bull gesponserten Citroën-Juniorteam bei (Gas-)Laune.
>>> Der WM-Stand nach 6 von 19 Rennen
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2010)