Die Überdosis Kaffee und der Karton voll Rosé

Welche Essgewohnheiten und Einkäufe aus dem Urlaub man zu Hause (nicht) vermisst.

Im Urlaub gewöhnt man sich mitunter neue Essgewohnheiten an. Am Strand jeden Tag ein Eis, weil es halt einfach dazugehört, in Florenz trotz Herzinfarktgefahr jeden Tag fünf Espressos, um sich zumindest für diese paar Sekunden an der Bar als Italienerin zu fühlen, auf der thailändischen Insel Hühnersuppe zum Frühstück. In Frankreich gibt es zum Kaffee jedenfalls ein Pain au Chocolat oder ein Croissant oder gleich beides. Wehe, das Papiersackerl, in dem man das blättrig-süße Zeug von der Boulangerie holt, ist nicht vor lauter Butter fast durchsichtig. Immerhin ist man ja unter anderem hierher gekommen, um die französische Kulinarik zu erleben, die bekanntermaßen auf du beurre, du beurre basiert. Und auf den viergängigen Mahlzeiten, bei denen man vor dem Käsegang eigentlich eh schon satt ist . . .

Das mit den vier Gängen muss man also nicht wirklich mit nach Hause bringen – wie übrigens die meisten Urlaubsessgewohnheiten: tägliches Eis, Überdosis Kaffee, Hühnersuppe zum Frühstück. Hat alles in Wien ein bisschen weniger Charme. Das gilt in Wirklichkeit auch für sehr viele der Essensmitbringsel, die man gegen Ende einer Reise gern noch in den Koffer packt, in der Hoffnung, sie mögen das Urlaubsfeeling verlängern. Wer hat noch Tapenade von vor drei Jahren im Küchenkastl? Hat bisher noch nicht den Moment gefunden, um den guten Wermut aus Barcelona aufzumachen? Oder ist draufgekommen, dass die italienischen Schokokekse eigentlich nur am Strand so gut schmecken?

Für alles gilt das freilich auch wieder nicht. Und so sucht man zwecks Urlaubsverlängerung auf jeder Getränkekarte in Wien zunächst doch einmal den Rosé, oft leider vergeblich. Zum Glück steht davon noch ein Karton im Keller. Den haben die Nachbarn einmal aus dem Frankreichurlaub mitgenommen.

bernadette.bayrhammer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2019)