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Boeing bietet Crash-Opfern 100 Mio. Dollar

Symbolbild.
Symbolbild.(c) APA/AFP/JIM WATSON (JIM WATSON)

Nach Abstürzen strebt Konzern einen Vergleich an.

Chicago. Die Prüfung der Ursache für den Absturz von zwei Maschinen des Typs Boeing 737 Max in Indonesien und Äthiopien mit insgesamt 346 Toten ist noch im Gang und dürfte noch Monate dauern. Der US-Flugzeugbauer Boeing bietet aber den Angehörigen der Opfer bereits Finanzhilfen an: 100 Mio. Dollar, hieß es.

Das Geld solle auch Gemeinden zugutekommen, die von den Abstürzen betroffen sind. Es werde in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen und örtlichen Behörden in Programme etwa zugunsten von Ausbildung und Entwicklung fließen und die Familien und Gemeinden finanziell unterstützen.

Boeing verhandelt vor Gericht mit Angehörigen von Absturzopfern über einen Vergleich. Die Parteien hätten sich geeinigt, eine rasche Lösung auszuloten, damit die Betroffenen ohne lange Rechtsverfahren entschädigt werden können, erklärte ein Boeing-Sprecher vergangene Woche. Dabei geht es zunächst um den Absturz der 737 Max in Indonesien vom 29. Oktober. In diesem Fall ist Boeing mit 50 Klagen konfrontiert. Doch auch wegen des Absturzes vom 10. März in Äthiopien gibt es Klagen.

Dem US-Konzern wird vorgeworfen, er habe Mängel bei der 737 Max gekannt. Erste Untersuchungsberichte deuten auf Fehler in der Steuerungssoftware MCAS hin. Sie soll die entscheidende Absturzursache gewesen sein.

Einige der Kläger sehen in dem Angebot von Boeing freilich nur den Versuch einer Imagepolitur und wollen daher ihre Klagen weiterverfolgen. „Die Marke Boeing ist weit mehr wert“, sagte dazu William Klepper, Professor an der Columbia Business School.

 

Neue Pilotentrainings?

Vor dem Hintergrund der 737-Max-Abstürze könnte es auch zu einer umfassenden Reform der Pilotenausbildung kommen. Vertreter der Luftfahrtbehörden wollen nächste Woche in Montreal darüber diskutieren, gab die International Civil Aviation Organization (ICAO) bekannt. Es wäre das erste Mal, dass die UN-Agentur, die globale Standards für den Luftverkehr ihrer 193 Mitgliedstaaten setzt, darunter auch jene für die Lizenzierung von Piloten, eine solche breit angelegte Prüfung der Trainingsanforderungen vornimmt. Zwar wurde betont, dass das Meeting nicht im direkten Zusammenhang mit den Abstürzen stehe. In der Luftfahrt wird aber gerade diskutiert, ob und wie die zunehmende Automatisierung in modernen Jets die Fähigkeiten von Piloten bloßstelle. (eid/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2019)