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"Mengele-Zwilling" Eva Kor ist tot

Wiesenthals Nazijagd? "Eine schlichte Idee": Eva Kor im Interview mit der "Presse" in Wien 2016.(c) Stanislav Jenis
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Sie überlebte die grausamen Experimente des Auschwitz-Arztes und machte andere Holocaust-Überlebende zornig: weil sie den NS-Tätern verzieh.

Würde sie auf der Straße Dr. Mengele treffen, sie würde keinen Hass verspüren, schrieb Eva Kor einmal. Die gebürtige Rumänin, die nun 85-jährig in Krakau verstorben ist, plädierte für die „Macht des Vergebens“. Dabei ging es ihr jedoch nicht um ihre Peiniger, sondern um sich - sie sah das Vergeben als Selbstermächtigung und Selbstbefreiung. „Ich wollte die Macht „für mich, nicht für den Täter!“, sagte sie in einem Interview mit der „Presse“ 2016. Dennoch machte sie sich damit viele andere Holocaust-Überlebende zu Gegnern.

Wiesenthals Nazijagd - „eine schlichte Idee"

Als Zehnjährige wurde die 1934 geborene Eva Kor mit ihrer Zwillingsschwester nach Auschwitz deportiert, die beiden wurden in grausamen medizinischen Experimenten vom berüchtigten Lagerarzt Josef Mengele missbraucht. Ihre Eltern kamen in Auschwitz um, Eva und ihre Schwester Miriam überlebten. Nach dem Krieg ging Eva Kor nach Israel, später in die USA.

„Als Opfer fühlt man sich verletzt, machtlos. Ich habe begriffen, dass mir nur eine einzige Macht bleibt. Und die habe ich eingesetzt“, sagte sie zur „Presse“. Sie verwarf die Vorstellung, dass Vergeben nur möglich sei, wenn der Täter bereue. „Ich, die Überlebende, soll auf die Reue des Täters warten?! Das hieße ja schon wieder, ich gebe die Macht dem Täter!“ Simon Wiesenthals „Nazijagd“ hielt sie für eine „schlichte Idee“. Auch die Exekution aller NS-Täter hätte an ihrem Leben nichts geändert, sagte sie: „Ich wäre immer noch ein elfjähriges Mädchen, das für Experimente verwendet wurde und seine Eltern verloren hat".

Der Handschlag beim Gröning-Prozess

Andere Holocaust-Überlebende kritisierten Eva Kor immer wieder - etwa als sie 1995 am 50. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz persönlich allen Nationalsozialisten ihre Taten vergab. Oder 2015, als sie als Nebenklägerin am Auschwitz-Prozess gegen Oskar Gröning teilnahm. Anders als die meisten Angeklagten in NS-Prozessen hatte Gröning am ersten Verhandlungstag moralische Mitschuld eingestanden, sich reuig gezeigt und um Vergebung gebeten. Eva Kor reichte ihm später die Hand. Daraufhin wurde sie in einer Erklärung von 49 Nebenklägern kritisiert. Kor rechtfertigte sich, es sei eine ungeplante Geste gewesen, ihr Verhalten spreche den Täter auch nicht von der Verantwortung frei.

In den USA leitete Eva Kor das von ihr gegründete Candles Holocaust Museum and Education Center in Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana. Ihr Buch „Die Macht des Vergebens“ erschien in deutscher Übersetzung 2016 im Benevento Verlag.