Sting: Ehrung für den Englishman

Sting mit Bürgermeister Siegfried Nagl, Kulturlandesrat Christopher Drexler, Kulturstadtrat Günter Riegler und Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (v. l.) im Grazer Styria-Center.
Sting mit Bürgermeister Siegfried Nagl, Kulturlandesrat Christopher Drexler, Kulturstadtrat Günter Riegler und Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (v. l.) im Grazer Styria-Center.(c) Erwin Scheriau (Erwin Scheriau)

„Schnuckiputz“ Sting ließ in Graz seine Weine verkosten, bekam einen Eintrag ins Goldene Buch – und eine steirische Knöpferlharmonika.

Zunächst einmal heißt es: Bitte noch etwas warten. Denn zuerst bekommt Stings Ehefrau, Trudie Styler, ihren Auftritt – um vom gemeinsamen Weingut in der Toskana zu erzählen, und von ihrem Engagement für die brasilianischen Kayapó-Indianer und den Regenwald. Auf die meisten Fragen muss sie allerdings antworten: „Das fragt ihr lieber Sting selbst.“

Und dann kommt er schon, einer der größten britischen Popstars aller Zeiten, das dunkle Retroblumenhemd tief aufgeknöpft und mit 67 Jahren körperlich bestens in Schuss, und wird von seiner Frau auf Deutsch begrüßt mit: „Hallo, mein Schnuckiputz.“

Drei Stunden vor seinem Konzert auf dem Open-Air-Gelände der Grazer Messe, wo ihn rund 7000 Fans feiern werden, ist Sting gegenüber ins Styria-Media-Center gekommen, um den Spitzen von Stadt und Land die Ehre zu erweisen, ihn ehren zu dürfen.

Warum das ausgerechnet im Medienhochhaus stattfindet? Weil hier noch mehr mit Sting angestellt wird. „Sting erleben“ heißt das Paket, das der Privatradiosender Antenne Steiermark gemeinsam mit Alexander Andreadis geschnürt hat – der Grazer Weinhändler vertreibt die Weine von Stings Weingut Il Palagio, neben jenen anderer Prominenter wie Francis Ford Coppola, Andrea Bocelli oder Jarno Trulli. Eine exklusive Veranstaltung ganz oben im „Skyroom“ des Hauses, bei dem ein Streichquartett Sting-Musik spielt und Stings Kellermeister, Tony Sasa, der selbst ein wenig wie ein Rockstar aussieht, seine Bioweine („Message in a Bottle“ und „Roxanne“ heißen sie) verkostet. Sting sehen die Gäste, darunter etwa Fußballnationaltrainer Franco Foda, Chocolatier Josef Zotter und Jürgen Roth, der Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, dann allerdings „nur“ später live auf der Bühne – er will sich lieber nur ehren, nicht persönlich erleben lassen.

Mit dem Fahrrad durch Graz

Beim Polittermin ein Stockwerk tiefer, wo normalerweise der Vorstand des Medienkonzerns untergebracht ist, wird der Englishman in Styria derweil überrascht: Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, der seine Ansprache seltsamerweise auf Deutsch hält („Die Steiermark ist ein besonders waldreiches Land“, knüpft er an das Regenwaldthema an), hat für ihn eine traditionelle steirische Knöpferlharmonika besorgen lassen. Sting, einer der berühmtesten Bassisten der Rockgeschichte, spielt neben seinem Fender-E-Bass auch Gitarre, Mandoline, Laute, Klavier, Saxofon, Panflöte – und Akkordeon, wie man recherchiert hat.

Die Hoffnung, dass er wunderkindmäßig losspielen würde, soll zwar nicht erfüllt werden, ein paar Takte „Englishman in New York“ stimmt der Beschenkte dann aber doch an, begleitet von einem steirischen Harmonikaspieler. Das edle Instrument hat Stings Unterschrift eingraviert – und wurde vom Kellermeister direkt zu Stings Sitz in der Toskana befördert, sollte es später in der Nacht nicht ohne Stolz heißen.

Bevor er sich noch mit seinem Namen und einem Smiley ins Goldene Buch der Stadt Graz einträgt – „Besuch des internationalen Stars Sting, Komponist, Sänger, Songwriter, Schauspieler und Autor mit starkem Einsatz für Umweltschutz und Menschenrechte, aus Anlass seiner ,My Songs‘-Tour 2019“ steht da in ehrwürdig kunstvoller Handschrift geschrieben – und Bürgermeister Siegfried Nagl (auf Englisch!) Bezüge zur Menschenrechtsstadt Graz herstellt, plaudert der Star dann noch über seinen ungewöhnlich langen Aufenthalt in der Stadt. Trudie und er waren schon zwei Tage vor der Show angereist. Was sie da getrieben haben? „Wir waren mit dem Fahrrad unterwegs, und als wir wirklich hungrig geworden sind, ließen wir uns vom Hotel einen Restauranttipp geben.“

Die Wahl war dann auf das El Pescador, ein Grazer Fischlokal nach dem Vorbild einer istrischen Kneipe, gefallen, das zufällig auch Stings Wein führt. Mit dem hat sich das Ehepaar am Mittwoch dann eigenen Angaben zufolge betrunken. Bevor es noch zu dem Konzert jenes Kollegen ging, der am Vorabend von Stings Auftritt am selben Gelände gastiert hatte: „Wir waren bei der Show eines gewissen Elton John“, erzählt er. „Ich glaube, das ist ein Newcomer.“

ZUR PERSON

Sting wurde 1951 als Gordon Matthew Thomas Sumner bei Newcastle upon Tyne, geboren. Sein Spitzname (Stachel) stammt von einem gestreiften Pullover, in dem er wie eine Wespe ausgesehen hat. Ab 1977 sang er für The Police, später solo. Er hat sechs Kinder, vier mit seiner Frau, Trudie Styler. Nach dem Graz-Konzert spielte er am Freitag auf Burg Clam.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2019)