Literatur

Gespräch mit einer Toten

„Bedürfnis, sich ein neues Leben zu erschreiben.“ Der Wiener Martin Horváth.
„Bedürfnis, sich ein neues Leben zu erschreiben.“ Der Wiener Martin Horváth.(c) Reinhard Oehner

Trauma, Erinnerung und der Geist eines toten Mädchens in der Wohnung – darum geht's in Martin Horváths Roman „Mein Name ist Judith“. Seine These: Es gibt eine Verbindung von der NS-Vergangenheit zu einer sich immer stärker abzeichnenden postdemokratischen Zukunft.

In einem Prolog erklärt uns der Autor, worum es in seinem Roman geht: „Von Toten und Geistern ist hier die Rede, aber auch von Träumen, die echtes Leben vorgaukeln. Es ist die Rede von der Erinnerung und von den Schwierigkeiten, mit ihr zu leben und sie zu bewahren.“ Keine zwei Seiten später wird noch mehr verraten: Léon Kortner, der Protagonist und Ich-Erzähler des Romans, habe sich „endlich aus dem Griff der Vergangenheit befreit“ und verspüre das dringende Bedürfnis, sich „neues Leben zu erschreiben“. Dies wird mit wechselndem Erfolg 362Seiten lang versucht. Das Ergebnis ist der kürzlich erschienene Roman „Mein Name ist Judith“.