Bischof Kräutler warnt vor "skrupelloser" Amazonas-Entwaldung

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Die Regenwald-Zerstörung im Amazonas-Gebiet bedrohe auch das Klima der nördlichen Halbkugel, sagt Erwin Kräutler.

Der aus Vorarlberg stammende emeritierte Bischof der brasilianischen Amazonas-Diözese Altamira-Xingu, Erwin Kräutler, hat die "skrupellose Entwaldung" des Amazonas-Gebiets kritisiert. Deren Folgen und das Überleben der indigenen Bevölkerung gingen die ganze Welt an und würden durch die vom Papst für Oktober in Rom einberufene Amazonien-Synode in den Fokus gerückt, so Kräutler, der am kommenden Freitag 80 Jahre alt wird, im "Kathpress"-Interview. Die Regenwald-Zerstörung bedrohe auch das Klima der nördlichen Halbkugel.

Nicht nur eine regionale, sondern eine "weltkirchliche Herausforderung" seien auch der eklatante Priestermangel und die Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche. Die Suche nach "neuen Zugängen zum Weiheamt" forderte Kräutler deshalb. "Die äußerst zaghafte Antwortsuche auf die Fragen der Gleichberechtigung der Frauen" sei längst zu einer "existenziellen Wichtigkeit" geworden. Die Geduld der Frauen gehe "schön langsam zu Ende", warnte Kräutler. Heute seien Frauen zwar in allen früher von Männern dominierten Berufszweigen tätig, nur "als Kirche hinken wir 200 Jahre hinterher". Als Möglichkeiten nannte er die Öffnung des Weihepriestertums für Frauen bzw. sogenannter "personae probatae" (bewährte Personen) - dieser Begriff schließe anders als "viri probati" (bewährte Männer) alle Geschlechter mit ein - wie es auch der Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner fordert.

Kritik an Präsident Bolsonaro

Deutliche Worte der Kritik äußerte Kräutler in dem Interview zum seit Jahresbeginn amtierenden brasilianischen Staatspräsidenten Jair Bolsonaro. Dieser habe eine "anti-indigene Einstellung", so der Bischof vor dem Hintergrund der Ankündigungen Bolsonaros, der Umweltschutzgebiete sowie indigene Reservate für die wirtschaftliche Nutzung durch multinationale Konzerne öffnen will. "Wir werden mit allen Mitteln für Amazonien und die Indios eintreten", so der Bischof, der schon kurz nach seiner Priesterweihe 1965 nach Brasilien gegangen war.

Von 1981 bis 2015 war er - als direkter Nachfolger seines Onkels Erich Kräutler - Bischof von Altamira-Xingu, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens. 1983 wurde Kräutler international bekannt, als er bei einer Solidaritätsaktion mit Arbeitern, denen man den Lohn vorenthielt, verhaftet und verhört wurde. Im gleichen Jahr wurde er Präsident des Indigenenmissionsrats CIMI der Brasilianischen Bischofskonferenz. Dieses Amt übte er bis 1991 und später erneut von 2006 bis 2015 aus.

1987 setzte sich Kräutler bei der Verfassunggebenden Versammlung Brasiliens erfolgreich für die Verankerung der Rechte der Ureinwohner ein. Kurz darauf wurde er bei einem mysteriösen Autounfall, bei dem ein Kleinlastwagen das Fahrzeug Kräutlers rammte, schwer verletzt. Nach mehreren Morddrohungen steht der Bischof seit 2006 unter Polizeischutz. Kräutler, der sich jahrelang an vorderster Front gegen den Bau des Amazonas-Kraftwerks Belo Monte einsetzte, ist auch international ein gefragter Experte für Menschenrechte, Umweltschutz und Indio-Rechte. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2010 den Alternativen Nobelpreis.