Oper Klosterneuburg: Die späten Abenteuer eines Lebemanns

Daniela Fally (Olympia), Zurab Zurabishvili (Hoffmann)
Daniela Fally (Olympia), Zurab Zurabishvili (Hoffmann)Roland Ferrigato

Kritik„Hoffmanns Erzählungen“ als gelungene Hommage zum 200. Geburtstag Offenbachs.

„Never change a winning team“, für den Klosterneuburger Festival-Intendanten Michael Garschall ist das gelebte Wirklichkeit: Leading Team, musikalische Leitung, Orchester und Chor bilden seit Jahren das Fundament seines Festivals. Auch ein Großteil der Gesangssolisten kehrt immer wieder. Dieses „Klosterneuburger Ensemble“ betonte heuer, geführt von Regisseur François de Carpentries in Hans Kudlichs bizarr gestalteten Bildern und Karine von Herckes originellen Kostümen die skurrilen Aspekte von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“.

Zurab Zurabishvili brillierte, nach anfänglicher Nervosität, mit tenoralem Glanz und sicheren Höhen in der Titelpartie. Sein Hoffmann ist kein schwärmerischer Jüngling, eher ein vom üppigen Lebenswandel bereits gezeichneter Mann, der versucht, aus dem Vollen zu schöpfen, wann immer es noch geht. Ihm zur Seite standen drei Ensemblemitglieder der Wiener Staatsoper. War es glücklicher Zufall oder Absicht, dass die fünfaktige Version von Fritz Oeser als Basis für die Neuproduktion gewählt wurde? In dieser Fassung erscheint die Rolle des Nicklausse wesentlich aufgewertet, was Margarita Gritskova bei ihrem Rollendebüt die Gelegenheit gab, mit sicherer Mittellage und Tiefe, aber auch mit strahlender Höhe und ausgeprägter Spielfreude zu punkten.

Ebenfalls sein Rollendebüt feierte Clemens Unterreiner. Bekannt für seine Spielfreudigkeit, ließ er vom dämonischen Gelächter bis zu furchterregenden Blicken kaum ein Attribut für die Rollen der Bösewichte fehlen, wenn auch sein heller Bariton nicht mit allen geforderten dämonischen Tiefen aufwarten konnte. Köstlich skurril Daniela Fallys Olympia: Seit Jahren gefeierter Star des Opernfestivals, meisterte sie die Automatenbewegungen der Puppe in immer rasanteren Bewegungsabläufen souverän, einigen leichten Irritationen bei den Spitzentönen in der großen Arie zum Trotz.

Eugenia Dushina spielte als Giulietta die Zerrissenheit der Venezianischen Kurtisane effektsicher aus. Die verführerischen Töne ihres weichen, hell timbrierten Soprans bezauberten nicht nur ihren Hoffmann. Nicht minder überzeugend die Antonia Florina Ilies, in deren noblem Stimmtimbre lyrische Versunkenheit, aber auch verzweifelte Seelenpein mitschwang. Tadellos besetzt sind die kleineren Rollen, Regine Hangler als Antonias Mutter, Martin Mairinger als Spalanzani und Nathanaël, Horst Lamnek als Luther und Crespel, Lukas Johan als Hermann und Schlemihl. Christoph Campestrini waltete am Pult der bestens disponierten Beethoven Philharmonie, doch ließen die allzu langsamen Tempi dem Opéra-Comique-Charakter des Werks keine Chance.

Weitere Vorstellungen: 9., 11., 13., 16., 19, 23., 25., 27. und 31. Juli sowie 2. August. Aufgrund der starken Nachfrage gibt es eine Zusatzvorstellung am 4. August. ORF III zeichnet auf und sendet am 25. August (20.15 Uhr).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2019)