Pop

João Gilberto ist tot: Der lässige Vater der Bossa nova

João Gilberto (Archivbild 2008).
João Gilberto (Archivbild 2008).(c) APA/AFP/MARCO HERMES

João Gilberto ist 88-jährig gestorben.

Sehnsucht nach Sehnsucht: So beschreiben Kenner das Gefühl, das auf Portugiesisch „saudade“ heißt. „Chega de Saudade“ – auf Englisch als „No More Blues“ übersetzt – hieß der Song, mit dem 1959 die Bossa nova, die neue Welle der brasilianischen Musik begann. Geschrieben hatte ihn Antonio Carlos Jobim, am bekanntesten wurde die Version von João Gilberto. Jobim und er gelten seitdem als die Väter der Bossa nova, die die Emotion des Samba mit der Coolness des Cool Jazz verbindet, wie in Gilbertos so innigem wie lässigem Gitarrenspiel, im sanften Glosen seines Gesangs. Er spielte und sang auch in Jobims „The Girl From Ipanema“, das – mit seiner ersten Frau Astrud Gilberto, die nach ihm sang, und Stan Getz am Saxofon – zum Welthit der Bossa nova wurde. Gilberto spielte bis 2008 Konzerte, oft allein mit seiner Gitarre. In den letzten Jahren lebte er krank und verschuldet in Rio de Janeiro, nun ist er 88-jährig dort gestorben. (tk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2019)