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Handelsabkommen: Start für Afrikas Freihandelszone

Ein Feld in Simbabwe, auf dem Tabak für den Export angebaut wird. Grundnahrungsmittel für den Binnenmarkt zu erzeugen lohnt für viele afrikanische Bauern kaum. Nicht nur das soll das Abkommen ändern.
Ein Feld in Simbabwe, auf dem Tabak für den Export angebaut wird. Grundnahrungsmittel für den Binnenmarkt zu erzeugen lohnt für viele afrikanische Bauern kaum. Nicht nur das soll das Abkommen ändern.(c) REUTERS (Siphiwe Sibeko)
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54 Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union haben den Vertrag unterzeichnet. Die neue Freihandelszone ist mit 1,2 Milliarden Menschen die größte der Welt.

Niamey/Wien. 400 Millionen Hektar fruchtbares Land gibt es in Afrika. Genug, um den gesamten Kontinent mit Nahrungsmitteln zu versorgen und Hungerkatastrophen zu verhindern – würden die afrikanischen Länder den Warenaustausch untereinander nicht durch Handelsschranken behindern. Das konstatierte die Weltbank im Jahr 2012 im Rahmen einer Studie. Die Barrieren müssen weg, riet sie damals. Nun könnte es endlich so weit sein: Die Afrikanische Union (AU) hat am Sonntag das interkontinentale Freihandelsabkommen AfCFTA auf den Weg gebracht.

54 der insgesamt 55 AU-Mitgliedstaaten – alle außer Eritrea – traten dem Abkommen bei. Am Sonntag unterzeichneten die letzten beiden Staaten – Benin und das wirtschaftlich stärkste Land des Kontinents, Nigeria – den Vertrag. „Ein historischer Moment“, sagte der Kommissionspräsident der AU, Moussa Faki Mahamat bei einem Gipfel der Union in Nigers Hauptstadt, Niamey.

 

Markt für 1,2 Mrd. Menschen

Durch AfCFTA soll – nach jahrelangen mühsamen Verhandlungen – die weltgrößte Freihandelszone mit einem Markt von 1,2 Milliarden Menschen entstehen. Laut Mahamat haben 27 Staaten das Abkommen bereits ratifiziert. Man erhofft sich von dem Vertrag, dass er den Handel auf dem afrikanischen Kontinent ankurbeln, den Wohlstand der Bevölkerung fördern und Investoren anlocken wird. Die AU schätzt, dass der Binnenhandel durch das Abkommen bis 2022 um 60 Prozent anwachsen wird. Derzeit entfallen nur rund 16 Prozent des afrikanischen Handels auf den afrikanischen Kontinent, 65 Prozent auf Europa.

Im Juli 2020 soll die praktische Umsetzung des Freihandelsvertrags beginnen. Allerdings gibt es noch Verhandlungsbedarf, unter anderem über den Zeitplan für die geplanten Zollsenkungen, wie es aus Diplomatenkreisen hieß.

Das Abkommen soll rund 90 Prozent der Warenklassen betreffen. Kritiker fürchten, dass Billigimporte insbesondere den kleineren Produzenten in Industrie und Landwirtschaft schaden könnten. Billigimporte gibt es freilich auch jetzt, nur stammen diese nicht aus den Nachbarländern, sondern von anderen Kontinenten. Laut der Weltbank-Studie haben bisher vor allem die reichen Industriestaaten die Märkte Afrikas mit hoch subventionierten Billigstlebensmitteln geflutet.

Nach damaligem Stand bezogen die afrikanischen Länder 95 Prozent ihrer Getreideimporte von anderen Kontinenten, während eigene Anbauflächen ungenützt blieben. Für nicht afrikanische Produzenten sei es oft leichter, eine afrikanische Stadt zu versorgen, als für Bauern vor den Toren des Ballungszentrums, stellten die Studienautoren damals fest. Die Rede war auch von bürokratischen Hürden und Wegzöllen, die in manchen Ländern an willkürlich errichteten Straßensperren eingehoben würden. (red./ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2019)