Führungsfehler

Mr. Slim-Fit und das Sommerfest

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Er war der Tollste, Beste, Klügste. Er beeindruckte mit seinen Slim-Fit-Anzügen, seinem BMW, seinem Auftreten. Der Geschäftsführer machte ihn umgehend zum Finanzchef.

Die Belegschaft war not amused. Der junge Schnösel ging allen auf die Nerven, vor allem jenen, die für ihn arbeiten mussten. Denen fielen rasch die Lücken in seinem Wissen und Können auf. Seine Sekretärin, eine erfahrene, mütterliche Frau, warnte ihn noch, einen Gang zurückzuschalten. Zur Strafe ließ er sie in die Telefonzentrale versetzen.

Dann kam das Sommerfest, zu dem die internen Kollegen und deren Lebenspartner eingeladen waren. Bowlegetränkt prahlte Mr. Slim-Fit wieder einmal lautstark vor sich hin. Wie er der Finanz ein Schnippchen geschlagen und für die Firme Steuern gespart hatte, nicht ganz legal, aber so genial, dass man ihm niemals auf die Schliche kommen würde.

Was er nicht wusste: Die Partnerin des Personalchefs, die ihm so aufmerksam zuhörte, war Betriebsprüferin des Finanzamtes. Sie informierte ihre Kollegen.

Es kam zu einem Finanzstrafverfahren und jeder Menge Ärger für den Betrieb. Mr. Slim-Fit verlor seinen Job. Und seinen BMW, weil er die Leasingraten nicht mehr zahlen konnte.

Nur die Anzüge blieben ihm.