Iran reichert Uran auf 4,5 Prozent an

The Arleigh Burke-class guided-missile destroyer USS McFaul's (DDG 74) visit, board, search and seizure team pulls alongside a Bahraini dhow during routine maritime security operations in the Arabian Gulf
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Die Zahlen sollen dem Rat der IAEA vorgelegt worden sein. Die Krise zwischen den USA und dem Iran verschärft sich . Der Iran droht mit der Reichweite seiner Raketen. Trump kündigt neue Sanktionen an.

Der Iran reichert Uran auf 4,5 Prozent an, habe die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) den Mitgliedsstaaten in Wien mitgeteilt, sagten mit den Zahlen vertraute Diplomaten am Mittwoch. Gemäß dem Atomabkommen dürfte Teheran Uran nur auf 3,67 Prozent anreichern. Zuvor hatte die IAEA nur offiziell mitgeteilt, dass der Iran über der 3,67-Prozent-Grenze liege.

Außerdem teilte die IAEA am Mittwoch mit, dass der Iran nun über 213,5 Kilogramm an angereichertem Uran verfüge. Laut Atomdeal seien aber nur 202,8 Kilogramm erlaubt. Am 1. Juli habe der Iran erst über 205 Kilogramm angereichertes Uran verfügt. Diese Daten seien am Dienstag bestätigt worden, sagten drei Diplomaten.

Uran-Anreicherung

Die Uran-Anreicherung ist die Voraussetzung für den Betrieb eines Kernkraftwerks, aber auch für die Herstellung von Atombomben.

Für den Betrieb eines Reaktors muss spaltbares Uran-235 auf etwa drei, für eine Kernwaffe aber auf rund 90 Prozent angereichert werden. Der Iran hatte 2010 nach eigenen Angaben Uran-235 auf bis zu 20 Prozent angereichert - für medizinische Zwecke, wie Teheran versicherte.

Bei Uran-235 handelt es sich um eine Spielart des radioaktiven Elements Uran, das in Natururan (Uran-238) nur zu 0,7 Prozent vorkommt (neben dem nur in Spuren vorhandenen Uran-234). Nur Uran-235 kann eine sich selbst erhaltende Kernspaltungs-Kettenreaktion eingehen.

Teil des Gouverneursrats der IAEA sind die Vertreter von 35 Staaten, mit Beschlüssen wird aber nicht gerechnet. Die Außenminister von Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben den Iran bereits am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini zur Einhaltung des internationalen Atomabkommens aufgefordert.

Der Iran hatte zuletzt die Menge an erlaubtem Uran und die Obergrenze bei dessen Anreicherung überschritten - beides zentrale Auflagen aus dem 2015 in Wien verabschiedeten Abkommen. Mit diesem Teilausstieg will Teheran die verbliebenen Partner des Abkommens dazu drängen, auf seine Wünsche nach wirtschaftlicher Zusammenarbeit einzugehen. Dieses Ziel ist durch den Ausstieg der USA und drastische US-Sanktionen unter anderem gegen den Ölexport des Iran kaum noch zu erreichen.

Das Abkommen von 2015 sollte den Iran am Bau einer Atombombe hindern und zugleich dessen politische und wirtschaftliche Isolation beenden. US-Präsident Donald Trump lehnt die Vereinbarung als ungenügend ab und hält sich schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr an die Abmachungen.

Trump hat dem Iran am Mittwoch auf Twitter erneut mit einer Verschärfung der Sanktionen gedroht. Der Iran habe seit langem heimlich Uran angereichert und gegen das Atomabkommen verstoßen, schrieb der US-Präsident. Die Sanktionen gegen Teheran würden in Kürze "erheblich" erweitert, fügte er hinzu.

Weitere Drohungen

Die Krise zwischen den USA und dem Iran hat eine neue Eskalationsstufe erreicht: Ein Kommandant der iranischen Revolutionsgarden hat die USA gewarnt, dass ihre Militärstützpunkte in der Region und ihre Flugzeugträger im Golf in der Reichweite iranischer Raketen lägen. "Unsere Raketen werden ihre Flugzeugträger zerstören, wenn sie einen Fehler machen", sagte Hossein Nejat der Agentur Tasnim zufolge. "Den Amerikanern ist sehr wohl bewusst, welche Konsequenzen eine militärische Konfrontation mit dem Iran hätte."

Der Konflikt zwischen den beiden Ländern ist in den vergangenen Wochen eskaliert, nachdem die USA die Sanktionsschraube stark angezogen hatten. Der Iran überschritt im Gegenzug bei der Anreicherung von Uran die nach dem Atomabkommen, das die USA bereits aufgekündigt haben, zulässigen Grenzen.

Irans Präsident Hassan Rohani bezeichnete es am Mittwoch als lächerlich und in der Geschichte einzigartig, dass ein Land, das aus einem Abkommen ausgestiegen sei, über die Vereinbarung debattieren wolle. "Wir reden nur über das, was im Atomdeal steht ... kein Wort mehr, aber auch kein Wort weniger", antwortete der iranische Außenamtssprecher Abbas Mussavi nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA am Mittwoch. 

Militär-Schutz für Schiffe

Die US-Regierung strebt nun eine internationale Militär-Koalition an, um Schiffe im Golf von Oman zu schützen. Die USA stünden derzeit mit einer Reihe von Ländern in Kontakt, sagte Marine-General Joseph Dunford. Man peile einen Zusammenschluss an, der es Schiffen erlaube, sich unter anderen sicher in der Straße von Hormus bewegen. In den nächsten Wochen werde man sehen, welche Nationen den politischen Willen hätten, sich der Initiative anzuschließen.

Die USA machen für einen Angriff auf Tanker im Juni den Iran verantwortlich. Die Regierung in Teheran weist dies zurück. Die Spannungen haben sich seitdem insbesondere durch den Abschuss einer US-Drohne durch den Iran weiter verschärft. Der Golf von Oman liegt an Wasserstraßen, die für die weltweiten Öl-Lieferungen von zentraler Bedeutung sind.