Börsendebüt: Addiko-Aktie startet deutlich über Ausgabepreis

Derzeit ist das Umfeld für Börsegänge alles andere denn optimal.
Derzeit ist das Umfeld für Börsegänge alles andere denn optimal.REUTERS

Zehn Jahre nach der Notverstaatlichung der Hypo Alpe Adria kehrte die ehemalige Balkanbank des Instituts an die Wiener Börse zurück. Und der Start war vielversprechend.

Wien. Für den Kurszettel der Wiener Börse gab es heute einen Zuwachs. Der US-Fonds Advent und die EBRD trennen sich über Aktienverkäufe an der Börse von der Mehrheit der ehemaligen Hypo-Alpe-Adria-Balkanbank, die heute Addiko Bank heißt. Die Addiko-Aktie notiert im Prime Market Segment der Wiener Börse.

Und der Start war vielversprechend. Die Addiko-Aktie startete bei 17,70 Euro, der Ausgabepreis für das Papier lag bei 16 Euro. Kurz nach Handelsbeginn dämmten die Aktien ihr Plus etwas ein und notierten gegen 9.15 Uhr mit 17,04 Euro knapp 6,5 Prozent über dem Ausgabepreis. Das bisherige Tagestief lag bei 17,04 Euro und das Tageshoch bei 17,74 Euro.

Ab dem zweiten Handelstag, dem 15. Juli 2019, wird Addiko im Index ATX prime geführt. Das teilte die Wiener Börse heute zum Handelsbeginn mit. Im Prime Market ist die neue Bank-Aktie seit heute unter dem Kürzel ADKO (ISIN: AT000ADDIKO0) gelistet.

Das Management der Wiener Börse ist mit dem gelungenen Börsendebüt zufrieden. Immerhin erfolgten heuer bisher drei von acht Börsengängen aus dem deutschsprachigen Raum (Österreich, Deutschland, Schweiz) in Wien: "Gratulation an Addiko. In einem anspruchsvollen Umfeld gelingt der Bank der 2019 bisher größte Börsengang im Finanz-Bereich in ganz Europa", schrieb Börsenchef Christoph Boschan in einer Aussendung.

Die Eigentümer der Ex-Hypo-Balkanbank Addiko dürften beim Börsengang jedoch deutlich weniger einnehmen als ursprünglich erhofft. Für die Aktien war eine Preisspanne von 19 bis 23 Euro festgelegt worden. Schlussendlich ist es nun ein Preis von 16 Euro geworden.

Seit 2015 im Besitz von US-Finanzinvestoren

Als Basis angeboten werden vom Finanzinvestor Advent und der EBRD 9.750.001 Aktien, die 50 Prozent plus eine Stimme entsprechen. Mit dem Preis von 16 Euro würden die Addiko-Eigentümer 156 Millionen Euro einsammeln. Erhofft worden waren zwischen 185 und 224 Mio. Euro. Eine eventuelle Mehrzuteilung von bis zu 1.462.500 Aktien ist allerdings immer noch möglich.

Die Addiko Bank ging aus dem früheren Balkanbanken-Netzwerk der Hypo Alpe Adria hervor. Die Bank befindet sich seit Juli 2015 über die Luxemburger Holding AI Lake im Eigentum des US-Fonds Advent (80 Prozent) und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die 20 Prozent hält. Diese wollen nun über die Börse die Mehrheit an der Addiko veräußern.

 

Unsicheres Umfeld

Derzeit ist das Umfeld für Börsegänge alles andere denn optimal. Das musste nicht nur das Biopharmaunternehmen Marinomed und die Hightech-Schmiede Frequentis erfahren, die bei ihren Börsedebüts ebenfalls Abstriche machen mussten. Das volatile und unsichere Umfeld auf den Finanzmärkten sorgte auch im Ausland für eher verhaltene Initial Public Offerings (IPO).

So etwa stotterte sich die VW-Lkw-Tochter Traton kürzlich an den Frankfurter Markt. Wenig später sorgte die Global Fashion Group bei Anlegern für Enttäuschung. Die Aktien des defizitären Online-Modehändlers fielen beim Debüt an der Frankfurter Börse rund zehn Prozent unter den ohnehin schon gesenkten Ausgabekurs.

Auch die weltweit mit Abstand größte Transaktion dieses Jahres, der Uber-Börsengang, brachte mit einem Emissionsvolumen von 8,1 Mrd. Dollar letztlich weniger ein als erwartet.

Das zweitgrößte IPO geht auf das Konto des US-Laborzulieferers Avantor (3,3 Mrd. Dollar), die Nummer drei ist der Uber-Konkurrent Lyft (2,6 Mrd. Dollar).

Weltweit ging die Zahl der Börsengänge im zweiten Quartal um 17 Prozent auf 302 Unternehmen zurück. Sie brachten 57 Mrd. Dollar. Das sind aber dennoch deutlich mehr als im ersten Quartal, wo 205 Unternehmen den Schritt wagten und 15 Mrd. Dollar erlösten.

Für das zweite Halbjahr gibt sich der Unternehmensberater EY trotz aller Unsicherheiten zuversichtlich. Die Experten verweisen auf weitere Impulse aus der IT-Branche. (eid/ag)