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Iranische Boote sollen britischen Tanker bedrängt haben

Britische Fregatte "Montrose": Warnung an iranische Boote
Britische Fregatte "Montrose": Warnung an iranische Boote(c) Reuters

Bewaffnete iranische Boote sollen sich einem britischen Tanker nahe der Straße von Hormuz genähert haben, ein britisches Begleitschiff schritt ein. London zeigt sich „über diese Aktion beunruhigt“.

Nach den mysteriösen Attacken auf zwei Tanker im Golf von Oman im Juni ist es nach britischen Angaben in der angrenzenden Straße von Hormuz zu einem weiteren Zwischenfall mit einem Handelsschiff gekommen. Die Regierung in London erklärte am Donnerstag, dass sich drei iranische Boote in der Meerenge dem Öltanker "British Heritage" genähert hätten.

Sie hätten "entgegen internationalem Recht" versucht, das Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern. Teheran bestritt dagegen, an einem Vorfall mit einem britischen Schiff beteiligt gewesen zu sein.

Die Fregatte "HMS Montrose" der Royal Navy sei gezwungen gewesen, sich zwischen den iranischen Booten und der "British Heritage" zu positionieren und verbale Warnungen an die Boote abzugeben, sagte ein Regierungssprecher in London. Die iranischen Schiffe hätten daraufhin abgedreht. "Wir sind über diese Aktion beunruhigt und fordern die iranischen Behörden weiterhin dringend auf, die Situation in der Region zu deeskalieren" hieß es weiter.

Iran dementiert

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) dementierten hingehen, dass es einen Zwischenfall mit einem britischen Schiff im Persischen Golf gegeben habe. "In den vergangenen 24 Stunden hatten wir in der Straße von Hormuz keinen Zwischenfall mit ausländischen Schiffen, auch nicht mit einem britischen", erklärten die Revolutionsgarden am Donnerstag auf ihrer Webseite. "Das Ziel solcher wertlosen Unterstellungen ist lediglich, Spannungen zu provozieren", sagte der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif der Nachrichtenagentur FARS.

Die Straße von Hormuz ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Region des Persischen Golfs mit dem Indischen Ozean. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports. Erst im Juni hatte es im Golf von Oman mysteriöse Attacken auf zwei Tanker gegeben, für die die US-Regierung den Iran verantwortlich machte. Die Führung in Teheran bestreitet dies.

London und Teheran liegen zudem derzeit im Streit über einen iranischen Supertanker, der in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen für Syrien festgesetzt worden war. Der Iran protestierte, bestellte dreimal den britischen Botschafter in Teheran ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Der Oberste Gerichtshof des britischen Überseegebietes hat inzwischen angeordnet, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf. Gibraltar am Südzipfel Spaniens steht seit 1713 unter britischer Souveränität.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hatte Großbritannien deswegen mit Konsequenzen gedroht. "Der Stopp des Supertankers durch die Briten war ein Fehler und dumm (...). Wir müssen uns alle dafür einsetzen, dass die internationale Schifffahrt sicher bleibt und sie nicht mit solchen Aktionen unsicher machen", sagte Rouhani am Mittwoch. Großbritannien solle dies beherzigen, "um später nicht die Konsequenzen zu tragen".

USA: "Uns sind Berichte bekannt"

Ein Sprecher des US Central Command, das die US-Truppen im Nahen Osten führt, erklärte auf Anfrage, man kenne die Berichte über den Versuch der iranischen Revolutionsgarden, den britischen Tanker zu drangsalieren. Er betonte, Bedrohungen für die internationale Schifffahrt bedürften einer internationalen Lösung. Die Weltwirtschaft sei abhängig von freien Handelswegen, und es sei an allen Nationen, diese zu sichern.

Aus US-Regierungskreisen hieß es ebenfalls: "Uns sind Berichte bekannt, wonach iranische Boote versucht haben, einen britischen Öltanker zu beschlagnahmen." Die USA arbeiteten weiter mit Verbündeten und Partnern zusammen, um gegen die "bösartigen Aktivitäten" der iranischen Führung anzugehen und den globalen Handel zu schützen.

Das US-Verteidigungsministerium hatte zuvor angekündigt, Pläne für eine internationale Koalition zum Schutz von Handelsschiffen vorantreiben zu wollen. Das Pentagon habe dazu einen konkreten Plan entworfen. In ein paar Wochen werde feststehen, welche Länder sich dem Bündnis anschließen wollten.

Mysteriöse Zwischenfälle im Juni

Im Juni hatte es im Golf von Oman bereits mysteriöse Zwischenfälle mit zwei Tankern gegeben. Die US-Regierung machte dafür den Iran verantwortlich, die Führung in Teheran bestritt die Vorwürfe. Die Zwischenfälle schürten international Ängste vor einer militärischen Eskalation zwischen beiden Staaten.

Eine Entspannung in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist derzeit nicht in Sicht. US-Präsident Donald Trump hatte der Führung in Teheran am Mittwoch mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen gedroht und ihr vorgeworfen, sie reichere seit langem heimlich Uran an.

Das internationale Atomabkommen von 2015 sollte den Iran am Bau einer Atombombe hindern und zugleich dessen politische und wirtschaftliche Isolation beenden. Aus Sicht der Trump-Regierung wurde der Iran aber durch den Deal nicht dauerhaft an der Entwicklung von Nuklearwaffen gehindert. Die USA scherten im Mai 2018 einseitig aus dem Abkommen aus und setzten scharfe Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft. Teheran hatte zuletzt höhere Uranvorräte als erlaubt. Auch die zulässige Obergrenze bei der Anreicherung des Urans wurde jüngst überschritten. Der Iran bestreitet allerdings, Atomwaffen bauen zu wollen.

APA

Nadelöhr des weltweiten Ölhandels

Mehrere Zwischenfälle mit Handelsschiffen nahe der Meerenge von Hormuz haben in den vergangenen Monaten den Blick auf diese wichtige Seestraße gelenkt. Rund ein Drittel des auf dem Seeweg transportierten Öls wird durch die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman befördert.

Eine Sperrung dieses strategisch wichtigen Nadelöhrs würde den Ölpreis in die Höhe treiben mit katastrophalen Folgen für die Weltwirtschaft. Schon die jüngsten Vorfälle sorgten daher für Nervosität an den Ölmärkten.

Angesichts des Streits um das internationale Atomabkommen mit dem Iran und der Wirtschaftsblockade der USA hat Teheran wiederholt gedroht, die Seestraße zu blockieren. Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist nur 50 Kilometer breit. Auch wenn die iranische Marine den USA militärisch nicht gewachsen ist, wäre es nicht schwer für sie, eine Durchfahrt durch Seeminen zu blockieren.

Die Meerenge von Hormuz ist schon seit Jahrhunderten eine wichtige Handelsroute. Auf den Inseln Hormuz und Keschm errichteten die Portugiesen im 16. Jahrhundert Festungen und Handelsstützpunkte. Heute sind die iranischen Inseln wegen ihrer dramatischen Felsformationen und Mangrovenwälder beliebte Touristenziele. Weitere Inseln in der Mitte der Seestraße sind zwischen dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten umstritten.

Seit Mai hat eine Reihe von Vorfällen die Spannungen in der Region verschärft. Am 12. Mai meldeten die Emirate "Sabotageakte" gegen vier Handelsschiffe vor ihrer Küste. Einen Monat später wurden zwei Öltanker im Golf von Oman attackiert, nachdem sie die Meerenge von Hormuz passiert hatten. Die USA machten die Revolutionsgarden für die Vorfälle verantwortlich. Teheran bestritt jede Verwicklung.

Am 20. Juni schossen die iranischen Revolutionsgarden dann eine US-Aufklärungsdrohne über der Straße von Hormuz ab. Der Vorfall brachte die beiden Länder an den Rand eines Krieges, und US-Präsident Donald Trump stoppte einen Vergeltungsangriff erst in letzter Minute. Schon Anfang Mai hatten die USA unter Verweis auf eine Bedrohung durch den Iran und verbündete Milizen einen Flugzeugträger in die Golfregion beordert.

Angesichts der jüngsten Vorfälle kündigten die USA am Dienstag an, eine internationale Militärkoalition anzustreben zum Schutz von Öltankern in der Seestraße von Hormuz und der Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Roten und dem Arabischen Meer. Demnach sollen Öltanker von der jeweiligen Marine des Landes eskortiert werden, unter deren Flagge sie fahren. Auch Deutschland ist aufgerufen, sich zu beteiligen.

Nur einen Tag nach der Ankündigung der USA schien ein Vorfall in der Meerenge von Hormuz die Gefahren für die Handelsschifffahrt zu bestätigen: Nach Angaben Großbritanniens musste eine britische Fregatte intervenieren, um drei Schnellboote der Revolutionsgarden abzudrängen, die einen britischen Öltanker an der Weiterfahrt "hindern" wollten. Die Revolutionsgarden bestritten, dass es einen solchen Vorfall gegeben habe.

(APA/dpa)