Und täglich grüßt der Wohnbaustadtrat

(c) Clemens Fabry
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Michael Ludwig kämpft um den Gemeindebau. Als Wohnbaustadtrat ist Ludwig in der glücklichen Position, dass er viele Gelegenheiten hat, positiv in die Medien zu kommen.

WIEN. Die Klinken in Wiens Gemeindebauten müssten schon glänzen, so oft wie Michael Ludwig und seine Truppen zum Putzen derselben ausrücken. Kaum ein Tag vergeht, an dem der Wohnbaustadtrat und Vizebürgermeister nicht öffentlichkeitswirksam mit Aktionen in Erscheinung tritt, die das Leben friedlicher, freundlicher und sicherer machen sollen. Das Ziel: Die rund 500.000 Bewohner von Gemeindebauten sollen bei der Wien-Wahl am 10.Oktober an die Urne gelockt werden – und der SP dabei helfen, die absolute Mehrheit zu halten.

Der Ankick zu einem Workshop im Kunstgaberln etwa wird heute als Medienereignis inszeniert. Ein Ballkünstler zeigt Kindern Balltricks, die eine Alternative zum „Fetzen“ gegen Hausmauern sein sollen. Ein Ärgernis für lärmgeplagte Mieter – und Ludwig als lächelnder Held auf den Fotos der Rathauskorrespondenz.

Am Montag präsentierte Ludwig Medienvertretern seine Waschküchenbilanz – um Streitereien um den Zugang und den sogenannten „Waschtourismus“ zu schlichten, wurden 1200Waschküchen mit einem Chipsystem ausgestattet. Über ein Computersystem müssen sich die Mieter nun anmelden, jeder Waschtag wird einzeln verrechnet. Und Ludwig jubiliert: Bis Jahresende sollen 800 weitere Waschküchen mit diesem System ausgestattet werden.

Besuch vom „Wohnberater“

Ein weiterer Auszug aus dem Maßnahmenkatalog zur „freundlichen Übernahme“ des Gemeindebaus: „Wiener Wohnen unterwegs“: Seit zwei Wochen sind sie wieder on Tour, jene Wiener-Wohnen-Busse, die die Kundenberater in die Gemeindebauten chauffieren – weil viele Gemeindebaubewohner „ein persönliches Gespräch einem Telefonat vorziehen“, weiß Ludwig. Das im Vorjahr eingeführte Service der „mobilen Kundendienstzentren“ wurde heuer sogar ausgeweitet, sprich, in die Abendstunden verlängert. In den nächsten Wochen erhalten über 350Gemeindebauten Besuch von je einem technischen und einem kaufmännischen Referenten und einem „Wohnberater“, die bei Fragen zu Hausordnung, Verrechnung oder Sanierung behilflich sind.

Apropos Sanierung: 251 Millionen Euro werden heuer in die Sanierung von 42 Gemeindebauten mit rund 10.000Wohnungen investiert, verkündete Ludwig vor zwei Wochen. Seit 2008 hat sich die Sanierungstätigkeit damit beinahe verdoppelt: 2008 wurden „lediglich“ 132 Millionen Euro in die Revitalisierung von 6200 Wohnungen gesteckt.

Wenige Tage später setzte Ludwigs Büro mit einer Meldung über die „Spielplatzoffensive“ nach. Die freut sich heuer über mehr Geld: 1,1Millionen Euro werden 2010 in die Adaptierung und Erneuerung von Spielplätzen investiert. Zum Vergleich: In den vergangenen drei Jahren zusammen waren es 2,5 Millionen Euro. Für Neuschaffungen wurden in dieser Zeit 470.000 Euro investiert, heuer bereits 160.000 – „und es werden noch mehr“, heißt es in Ludwigs Büro.

Dann sind da noch die Truppen, die das konfliktarme Zusammenleben im Gemeindebau fördern sollen. Für persönliche Gespräche dienen von Anfang Mai bis Oktober die „Wohnpartner unterwegs“. Auch in den Abendstunden – als Fortführung des Pilotprojekts „Nightwatch“, das zwar nicht mehr so heißt, dafür aber auf die ganze Stadt ausgedehnt wird. Die nachdrücklichere Variante der Ordnungshüter bleiben die „Ordnungsberater“, die die Hausordnung kontrollieren und notfalls Organmandate verteilen.

In Vorbereitung ist schließlich auch die Ausweitung der Videoüberwachung von Garagen, Müllräumen, Aufzügen und Kellern in 15weiteren Gemeindebauten (in acht läuft sie bereits). Geplanter Start: September.

Auf Werner Faymanns Spuren

Maßnahmen wie diese sollen den Boden für die Wahl aufbereiten. Als Wohnbaustadtrat ist Ludwig in der glücklichen Position, dass er viele Gelegenheiten hat, positiv in die Medien zu kommen. Ein Spatenstich für eine Sanierung hier, eine Schlüsselübergabe für eine neue Wohnanlage dort. Und dazu ein beträchtlicher Werbeetat, mit dem Wiener Wohnen in diversen Medien Werbung schaltet. Keine schlechte Ausgangsposition für die weitere Karriere. Im Kampf um die Nachfolge von Bürgermeister Michael Häupl – der allerdings noch keine Amtsmüdigkeit erkennen lässt – jedenfalls ein gewaltiger Startvorteil. Auch Werner Faymann wusste diesen Vorteil zu nutzen – als Sprungbrett in die Regierung und schließlich ins Bundeskanzleramt.

AUF EINEN BLICK

Wahlkampf: Um die rund 500.000Bewohner der Wiener Gemeindebauten für die Gemeinderatswahl im Oktober zu mobilisieren, setzt die SPÖ auf Sicherheit und Ordnung. Videoüberwachung, Betreuung vor Ort und weitere Maßnahmen sollen das friedliche Zusammenleben sichern – und die Zufriedenheit heben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2010)

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