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Moderne Rapunzel

Für einen solchen Empfang in seiner Heimatstadt New York würde Donald Trump viel geben:

Für einen solchen Empfang in seiner Heimatstadt New York würde Donald Trump viel geben: In einer Konfettiparade zogen die Frauenfußball-Weltmeisterinnen durch den „Canyon of Heroes“ zum Rathaus. Megan Rapinoe, Kapitänin und Wortführerin des Teams, gerierte sich als Cheerleaderin und zeigte sich in ihrer obligaten Jubelpose mit weit ausgestreckten Armen: Seht her!

Die 34-jährige Kalifornierin, bekennende Lesbierin mit violett gefärbtem Kurzhaarschopf, versteckt sich nicht vor der Welt. „Pinoe“ – keine Weinsorte, sondern ihr Spitzname – ist eine moderne Rapunzel, die für Frauenrechte eintritt. Eine Galionsfigur, eine Antipodin Donald Trumps, mit dem sie nur das große Ego teilt.

Schon vor dem WM-Triumph sorgte sie mit ihrer Ansage, eine Einladung Trumps ins „fucking“ Weiße Haus auszuschlagen, für Furore – und für Furor beim Twitter-Präsidenten. Die Einladung ins Kapitol, zu den demokratischen Paradefrauen Nancy Pelosi und Alexandria Ocasio-Cortez alias AOC folgte auf den Fuß. Rapinoe for President: Die Stimmung ist momentan so, dass viele sie am liebsten stante pede, mit stehenden Ovationen, zur Gegenkandidatin Trumps küren würden. Es würde das Nominierungsprocedere im übervollen Bewerberfeld der Demokraten radikal abkürzen. Was für ein Hauen und Stechen, härter als auf jedem Fußballfeld. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2019)