Die SPÖ spricht sich selbst Mut zu

Die SPÖ kann nun auch Social Media: Eine der Botschaften der Wahlkampfverantwortlichen Drozda (Bild) und Deutsch.
Die SPÖ kann nun auch Social Media: Eine der Botschaften der Wahlkampfverantwortlichen Drozda (Bild) und Deutsch.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Trendumkehr sei eingeleitet, sagt der SP-Wahlkampfmanager. Und legt eine Umfrage vor, die für die SPÖ 23 Prozent ausweist.

Wien. SPÖ-Wahlkampfmanager Christian Deutsch hat ein kleines Plakat mitgebracht: „Mut für Österreich. Gut für Österreich.“ steht darauf. Der Slogan wird in größerer Aufmachung nun die SPÖ-Parteizentrale zieren und auch das Leitmotiv für den Bundesparteirat am kommenden Samstag sein, auf dem die Liste für die Nationalratswahl und das Wahlprogramm abgesegnet werden.

Mut spricht sich die SPÖ nun auch selbst zu. Christian Deutsch und Thomas Drozda sitzen im Büro des Bundesgeschäftsführers, hinter ihnen ein großer Terminplaner. Der letzte eingetragene Termin ist der 18. Juni. Aber, beruhigt die Parteisprecherin, man habe mittlerweile auf einen elektronischen Kalender umgestellt.

Der Wahlkampf kann also auch mit der SPÖ stattfinden. Und da, findet Christian Deutsch, sei jetzt die Trendwende eingeläutet. „Die Talsohle ist durchschritten, das Momentum zu unseren Gunsten“, meint Thomas Drozda.

Deutsch referiert eine aktuelle Umfrage, die man beim Ifes-Institut in Auftrag gegeben habe, in den ersten zehn Juli-Tagen sei sie durchgeführt worden, mit einem Sample von 1000 Befragten. Die ÖVP komme demnach nur noch auf 37 Prozent, nach 38 Prozent zuvor. Für die SPÖ werden 23 Prozent ausgewiesen. Bei der Nationalratswahl 2017 hatte die SPÖ noch knapp 27 Prozent. Das sei jetzt aber nicht so entscheidend, meint Deutsch, relevant sei, dass die SPÖ in Bezug auf diverse Umfragen, in denen sie zuletzt um die 20 Prozent hatte, zugelegt habe.

Die FPÖ kommt in dieser Ifes-Umfrage übrigens auf 19 Prozent, „möglicherweise unterbewertet“, so Deutsch, die Neos auf acht Prozent, die Liste Jetzt auf ein Prozent, die Grünen auf elf Prozent.

Bei all dem Optimismus bei Deutsch und Drozda spricht also einiges dafür, dass die Grünen der SPÖ die Stimmen vom letzten Mal wieder abjagen könnten. Deutsch findet: Die Grünen müssten nach der Wahl aufpassen, dass sie nicht mithelfen, dass es wieder eine „Ibiza-Koalition“ gebe.

Ibiza-Koalition. Dieser Begriff fällt dann noch öfter. Nicht ÖVP-FPÖ-Koalition. Nicht türkis-blaue Koalition. Ibiza-Koalition. Das wird nun wohl das rote Wording bis zum 29. September sein.

Thomas Drozda möchte dann noch mit einer weiteren Erzählung, die so nicht stimme, aufräumen: dass die SPÖ Social Media nicht könne bzw. hier weit hinter den anderen sei. Vor vier Wochen habe man auf Facebook und Instagram einen Dialog mit den Usern gestartet. „Nicht mit erhobenem Zeigefinger, nicht belehrend.“ Sondern auf Augenhöhe. Und die Anzahl der Interaktionen gebe ihm und seiner Partei recht.

Auch er legt nun Zahlen vor: 505.567 Interaktionen auf der Pamela-Rendi-Wagner-Seite habe es in diesen vier Wochen gegeben, 390.109 auf der SPÖ-Seite. Zum Vergleich: Die Sebastian-Kurz-Seite habe es in diesem Zeitraum nur auf 275.203 gebracht. Überhaupt, glaubt Drozda, seien Social Media nun wichtiger als je zuvor, wohl auch wichtiger als die TV-Duelle.

Einen sauberen Wahlkampf wolle man führen, versprechen Drozda und Deutsch, das Limit von 7,1 Millionen Euro Wahlkampfkostenobergrenze einhalten. Auch einen Negativwahlkampf werde es dieses Mal nicht geben. Man wolle sich mit dem Mitbewerber nicht allzu sehr beschäftigen.

 

Botschaft angekommen

Und ja, man sei jetzt eben sehr optimistisch. Pamela Rendi-Wagner sei beim ersten Teil ihrer Österreich-Tour – der zweite folgt ab kommender Woche – bei der Bevölkerung sehr gut angekommen. Und der Umfragerückstand zur ÖVP sei aufholbar. Denn die Wählerschaft sei volatil und mobil wie nie. Und immerhin – Christian Deutsch betont es noch einmal –, die Trendwende sei nun geschafft. Diese Botschaft scheint auch der Hauptgrund für das Gespräch mit Journalisten im Büro des SPÖ-Bundesgeschäftsführers an diesem Donnerstagnachmittag zu sein.

Welche Agentur die SPÖ-Kampagne machen werde, wissen Deutsch und Drozda zwar schon, sagen möchten sie es aber nicht. Laut „Presse“-Informationen ist es jene von Luigi Schober, der schon für die Bundespräsidenten Thomas Klestil und Heinz Fischer arbeitete und Alfred Gusenbauer 2006 zum Wahlsieg führte. „Pures Napalm“ hatte Schober damals für den Wahlkampf versprochen.

Die Agentur soll offiziell am 19. August präsentiert werden, inklusive Kampagne und Plakatslogans. Bis dahin hängt: „Mut für Österreich. Gut für Österreich.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2019)