„Kreatives Milieu mit schwacher Struktur“

Zeitgenössischer Tanz und Ballett bilden die zentrale künstlerische Ausbildung im Bachelorstudium der Bruckner-Uni.
Zeitgenössischer Tanz und Ballett bilden die zentrale künstlerische Ausbildung im Bachelorstudium der Bruckner-Uni.Constantin Georgescu

Wien ist dieser Tage mit dem Impulstanz-Festival ein Hotspot der internationalen Szene. Das Angebot akademischer Ausbildungen ist hierzulande vielfältig und beinhaltet auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung.

Mit einem Tanzstudium kann man sich nicht nur auf den Beruf als Tänzer vorbereiten, sondern auch die höchsten akademischen Weihen erlangen. Mit dem Wintersemester 2019 bietet die Anton Bruckner Privatuniversität in Linz einen künstlerisch-wissenschaftlichen und einen wissenschaftlichen Promotionsstudiengang an. Ersterer kann für den Bereich „Zeitgenössischer Tanz“, zweiterer für „Tanz“ gewählt werden. „Dieses Studium empfiehlt sich vor allem für jene, die ihre praktischen Erfahrungen aus einer aktiven Karriere in die Forschung tragen möchten“, sagt Rose Breuss, Leiterin des Institute of Dance Arts IDA an der Bruckner-Uni. Kooperationen mit anderen Hochschulen sind möglich, etwa mit der Kunstuniversität Linz und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Einstieg in die Tanzkarriere

Das ebenfalls an der Bruckner-Uni angebotene Masterstudium Zeitgenössischer Bühnentanz dient dem Lifelong Learning für Tänzer, mit dem Fokus auf Methoden von künstlerischer, praxisorientierter Forschung. Der Einstieg in eine Tanzkarriere erfolgt über das Bachelorstudium mit den zentralen künstlerischen Fächern klassisches Ballett und zeitgenössischer Tanz. „Unsere Bachelors streben zweierlei an. Die einen wollen nach dem Studium eine Karriere in internationalen Tanzcompagnien starten, die anderen begeistern sich für projektorientiertes Arbeiten. Das funktioniert sehr gut, vor allem wenn man unternehmerischen Mut mitbringt“, sagt Breuss.

Während das Studium an der Bruckner-Uni ausschließlich für Tänzer und solche, die es werden wollen, ausgerichtet ist, beschäftigt man sich an der Uni Salzburg ganz akademisch mit dem Thema. Hier kann man auch ohne Bewegungstalent einen Bachelor in Musik- und Tanzwissenschaften machen. Ein Kombinationsstudium ist ebenso möglich wie die Konzentration auf eines der beiden Fächer. Beim Masterstudium werden historische, intermediale und performativ-künstlerische Perspektiven auf Musik und Tanz eröffnet. Die Berufsfelder liegen zwischen Wissenschafts- und Kulturmanagement, Medien und Kulturpolitik.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Tanzkarriere ist Talent. Nicht unwesentlich sind aber auch „Offenheit und Neugierde gegenüber unterschiedlichen künstlerischen Arbeitsweisen, Ausdauer, Kreativität, Engagement und Freude am interdisziplinären Arbeiten“, erklärt Andreas Mailath-Pokorny, Rektor der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien MUK. Ziel des Bachelorstudiums „Zeitgenössischer und Klassischer Tanz“ ist die Ausbildung von Tänzern auf internationalem Niveau, die zu einer Berufsausübung in den unterschiedlichen Bereichen des gegenwärtigen Bühnentanzes befähigt. Damit das gelingt, kooperiert man mit den wichtigsten Tanzinstitutionen Österreichs wie dem Festspielhaus Sankt Pölten und dem Tanzquartier Wien. Auch Praktika an Theatern, Compagnien und Schulen gehören dazu, ebenso Projekte mit anderen Kulturschaffenden.

Anleitung zum Selbstmarketing

Neben der künstlerisch-wissenschaftlichen Ausbildung ist auch die Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt Teil des Curriculums. So wird in Workshops Selbstmarketing gelehrt, und auch die Präsentation vor Agenturen und Arbeitgebern sowie Grundkenntnisse in Steuer- und Urheberrecht für Kunstschaffende werden vermittelt. Den wirtschaftlichen Aspekt lässt man auch an der Anton Bruckner Privatuniversität nicht außer Acht. „Zum einen sind die freiberuflichen Lehrenden die besten Role Models, und die Studierenden profitieren von deren Netzwerken“, meint Breuss. Zusätzlich lernen die Bachelor-Anwärter, sich zu präsentieren und einen Lebenslauf zu schreiben, die Master-Absolventen wissen auch, wie man Förderungen beantragt und Events entwickelt und organisiert. „Leider ist der Tanz ein kreatives Milieu mit schwacher Struktur“, sagt Breuss. Sie hofft, dass sich neben der Musikkultur auch eine Tanzkultur etablieren kann.

Web: www.muk.ac.at, www.sead.at, www.uni-salzburg.at, www.bruckneruni.at
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2019)