Erstmals wird Österreich beim Homeless World Cup auch mit einem Frauenteam vertreten sein. In ihren Geburtsländern durften Helia Mirzaei und Saleha Kashfi nicht Fußball spielen, heute ist der Sport für sie gleichsam Chance wie Therapie.
Irgendwann werde ich Fußball spielen“, hat sich Helia Mirzaei damals geschworen. Als Kind wollte sie im Iran oft mit ihren Brüdern und Nachbarn dem Ball nachjagen, doch das brachte ihr stets Diskussionen und Probleme ein – erst mit den Eltern, später mit dem Ehemann. Heute spielt die 20-Jährige „am liebsten jeden Tag“ und wird Österreich sogar bei Weltmeisterschaften vertreten. Ab 27. Juli steigt in Cardiff die 17. Auflage des Homeless World Cup, in der walisischen Hauptstadt tritt erstmals auch eine rot-weiß-rote Frauenauswahl an. „Das freut mich ganz besonders“, betont Ex-Profi Gilbert Prilasnig, der seit 16 Jahren als sportlicher Leiter bei dem Projekt der Caritas mitwirkt und in diesem Jahr erneut die Männer-auswahl betreut.
Fußball als Neustart, das war die Idee hinter dem vom Grazer Helmut Schmied entwickelten Homeless World Cup, der 2003 in Graz seine Premiere feierte. Obdachlose, Flüchtlinge, Suchtkranke, wer sonst am Rand der Gesellschaft steht, soll in den Mittelpunkt rücken, es sollen diejenigen Applaus erfahren, die sonst oftmals auf Ablehnung stoßen. Unterstützung erhalten, Vertrauen in sich und andere gewinnen oder neue Chancen und Perspektiven zu erkennen, es sind vielfältige soziale Aufgaben, die der Sport hier erfüllt. In Cardiff spielen 48 Männer- bzw. Mixed- und 16 Frauenteams im Streetsoccer-Format (Vier gegen vier) um die Pokale. Gewinnen aber ist nicht alles, das Ziel des Spiels vielmehr der doppelte Seitenwechsel: neben jenem auf dem Platz, auch der im Leben. Es ist eine einmalige Erfahrung, im wahrsten Sinn, denn pro Teilnehmer ist nur ein WM-Antritt erlaubt.