Experte: "EZB droht zur Bad Bank zu werden"

Experte droht Bank werden
Experte droht Bank werden(c) AP (Michael Probst)
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Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, kritisiert den Aufkauf von Anleihen hoch verschuldeter Staaten durch die Europäische Zentralbank: "Der Markt fürchtet, dass die EZB als Auffangbecken benutzt wird".

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, hat den Aufkauf von Anleihen hoch verschuldeter Staaten durch die Europäische Zentralbank (EZB) heftig kritisiert. Die EZB drohe, dadurch "zur Bad Bank zu werden, wenn die Aktion nicht bald begrenzt wird", sagte Mayer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von Dienstag. "Der Markt fürchtet, dass die EZB als Auffangbecken benutzt wird."

Dies könnte katastrophale Konsequenzen haben, denn manche Staaten könnten nach Ansicht Mayers trotz Milliardenhilfen pleite gehen. Wenn die Regierungen ihre Schulden dann nicht mehr zurückzahlten, drohten den Notenbanken des Euro-Systems hohe Verluste, für die die anderen Staaten einspringen müssten.

Die EU-Finanzminister hatten zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein insgesamt 750 Mrd. schweres Rettungspaket für den Euro beschlossen, aus dem angeschlagene Staaten mit Notkrediten versorgt werden können. Parallel hatte die EZB erstmals in ihrer Geschichte begonnen, Staatsanleihen von hoch verschuldeten Staaten aufzukaufen.

"Rettung fehlt ein wichtiger Mechanismus"

"Der ganzen Rettung fehlt ein wichtiger Mechanismus, der eine Staatspleite so gestaltet, dass sie nicht das ganze Finanzsystem gefährdet", kritisierte Mayer das Vorgehen der Euro-Staaten. Er schlug erneut einen Europäischen Währungsfonds (EWF) vor, von den Regierungen durch die Begebung von Anleihen finanziert. Dieser könne "innerhalb einiger Wochen" geschaffen werden. Dazu reichten Zusätze zu den Europäischen Verträgen.

(Ag.)

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