Ohne den Euro wären die einzelnen Landeswährungen Angriffen der Spekulanten viel stärker ausgesetzt, sagt Versicherer-Chef Günter Geyer. Österreichs Versicherer würden nur wenige griechische Anleihen halten.
Ohne die Gemeinschaftswährung Euro wären die Landeswährungen in Europa noch viel ärgeren Folgen von Spekulation ausgesetzt, beruhigte am Dienstag Versicherungsverbandspräsident Günter Geyer: "Wenn heute gegen den Schilling spekuliert würde, wären die Auswirkungen viel größer", meinte der VIG-Chef.
Im Rahmen des aktuellen wirtschaftlichen Umfelds könne die Assekuranz ein Höchstmaß an Wertsicherheit bieten, sagte Geyer. Einige wenige Versicherer haben wie berichtet mehr als ein Prozent ihrer Kapitalanlagen in griechischen Staatsanleihen stecken, die meisten liegen aber unter einem Prozent. Marginal finden sich auch portugiesische oder spanischen Anleihen in den Portfolios. Die Anlagen der Assekuranz sind 2009 um fast fünf Prozent auf 92,26 Milliarden Euro gestiegen, davon entfielen nur 4,25 Prozent auf Aktien.
Optimismus für 2010
Für 2010 ist die heimische Versicherungsbranche nun etwas optimistischer: Das Wachstum dürfte doch etwas stärker ausfallen als noch im März erwartet. Nun geht der Verband von einem Einnahmen-Plus von 0,8 Prozent aus, vor knapp zwei Monaten waren es lediglich +0,1 Prozent. 2009 hatte der Zuwachs 1,3 Prozent betragen, geht aus am Dienstag veröffentlichten Zahlen hervor. Der Anstieg der Versicherungsleistungen fiel im Vorjahr trotz der kaum höheren Einnahmen mit 5,4 Prozent erneut recht kräftig aus.
Zuversichtlicher ist der Verband jetzt vor allem für die Lebensversicherung: Staat eines Minus von 1,0 Prozent, wie im März angenommen, sollen die Einnahmen hier heuer um 0,3 Prozent zulegen, etwa durch eine weitere Aufwärtsentwicklung bei der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge. Einnahmen gegen laufende Prämie sowie Einmalerläge dürften aber 2010 ungefähr gleich bleiben, meinte Verbandsgeneralsekretär Louis Norman-Audenhove.
"Das Thema Vorsorge greift"
Für die Zukunftsvorsorge rechnet Verbandspräsident Geyer mit einer Fortsetzung des bisherigen Trends und nicht mit einem Rückgang. 2009 wuchsen hier in der Assekuranz die Einnahmen um 8,1 Prozent auf 892 Millionen Euro und die Vertragszahl um 9,1 Prozent auf 1,322 Millionen. Im 4. Quartal sei die Zukunftsvorsorge regelrecht angesprungen, so Norman.
Auch würden immer mehr Junge abschließen, "das Thema Vorsorge greift". Das gesamte Prämienvolumen in Leben wuchs 2009 um 0,7 Prozent auf 7,42 Milliarden Euro. Nennenswert zulegen dürfte 2010 nur die private Krankenversicherung mit +2,5 Prozent, schätzt der Verband. Im Vorjahr nahm diese Sparte mit 1,59 Milliarden Euro um 3,6 Prozent mehr ein.
Prämien legten 2009 um 1,3 Prozent zu
Insgesamt wuchsen die Prämieneinnahmen der heimischen Versicherungen im Vorjahr um 1,3 Prozent auf 16,42 Milliarden Euro. 2010 sollen die Prämien um 0,8 Prozent auf 16,54 Milliarden Euro zulegen.
Ende 2009 hielten die heimischen Versicherungsunternehmen Vermögenswerte in Höhe von 92,26 Milliarden Euro, ein Zuwachs von fast 5 Prozent. 67 Milliarden Euro sind in der Lebensversicherung veranlagt, 25 Milliarden Euro in "Non-Life" - hauptsächlich in Schuldverschreibungen, Fonds, Liegenschaften, Darlehen und Guthaben. Die Kern-Aktienquote betrug 4,25 Prozent.
Keine Auswirkungen durch Spekulanten-Angriffe
Durch die spekulativen Angriffe auf den Euro bzw. die Staatsanleihen einiger südeuropäischer Länder sieht Geyer "keine unmittelbaren Auswirkungen". Im jetzigen Rahmen sei die Assekuranz "die sicherste Basis, die es geben kann". "Ein Zugriff auf das uns anvertraute Geld ist verhindert", betonte der VIG-Chef, der mit 1. Juli als Verbandspräsident wie schon lange geplant turnusmäßig von Allianz-Österreich-Chef Wolfram Littich abgelöst wird.
Geyer verwies auch auf die "Erfolgsgeschichte CEE" der österreichischen Versicherer. Mittlerweile sei die heimische Branche im Osten mit mehr als 100 Versicherungsgesellschaften in 23 Ländern tätig und zähle im Ausland dort 35.000 Mitarbeiter. Daneben seien auch im Inland Arbeitsplätze geschaffen worden durch die Holdings in Österreich. Im Inland zählte die Assekuranz im Vorjahr 26.732 Beschäftigte, etwas mehr als 2008 (26.547).
VIG ist Marktführer vor Uniqa
Gemessen an den verrechneten Prämien im direkten inländischen Geschäft war 2009 in Österreich die Vienna Insurance Group (VIG) Marktführer mit 23,5 Prozent Anteil, gefolgt von der Uniqa-Gruppe mit 22,7 Prozent Marktanteil, der Generali mit 14,8 Prozent und der Allianz mit 8,3 Prozent, geht aus dem Jahresbericht hervor.
(APA)