Schnellauswahl

Alte Tennissocken

Wir müssen hierorts noch einmal – oder genauer: wieder einmal – über Boris sprechen. Nicht über Boris Johnson, wobei dieser uns demnächst noch zur Genüge beschäftigen wird.

Allein dieses Foto von seinem Besuch in einer Wurstfabrik, in der er sich mit Würsten, die von seinen Ohren herunterhängen, zum Gaudium der Briten und der Boulevardblätter zum Hanswurst gemacht hat. Vielleicht sollte man ihm eine Trash-TV-Show geben.

Nein, es geht um Boris Becker, der sich in der Tragikomödie seines Privatlebens zum Clown macht – und den die Briten irgendwie in ihr Herz geschlossen haben, seit er sich als „Bumm-Bumm-Boris“, als 17-Jähriger, zum Wimbledon-Champion geballert hat.

Nun, da die British Open im Tennis vorbei sind und seine Dienste als BBC-Kommentator nicht mehr gebraucht werden, machen wir uns Sorgen um das Auskommen des Sportinvaliden und hauptberuflichen Selbstvermarkters, der auf großem Fuß lebt. Die Auktion seiner Memorabilia, ein Ausverkauf seines Heldentums zur Deckung seiner Schulden, hat 770.000 Euro eingebracht. Selbst alte Schuhe, Sweater, Socken und Schweißbänder gingen weg wie Wimbledon-Tickets. Dass Oliver Pocher, Intimfeind und Ex einer Boris-Ex, zwei Pokale ersteigert hat, hatte etwas Demütigendes. Freilich: Für wen war es eigentlich das größere Armutszeichen? (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2019)