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Djoković gewinnt Wimbledon: Ein Finale für die Geschichtsbücher

TENNIS-GBR-WIMBLEDON
APA/AFP/POOL/LAURENCE GRIFFITHS
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Der Serbe Novak Djoković gewann das längste Wimbledon-Finale aller Zeiten gegen Roger Federer nach 4:57 Stunden mit 13:12 im fünften Satz. Der Schweizer, 37, vergab zwei Matchbälle.

Novak Djoković hat am Sonntagabend in London Tennisgeschichte geschrieben. Der Weltranglistenersten rang in einem hochklassigen Wimbledon-Finale nach fast fünf Stunden Spielzeit Rekordchampion Roger Federer mit 7:6 (5), 1:6, 7:6 (4), 4:6, 13:12 (3) nieder und sicherte sich seinen fünften Titel an der Church Road, seinen 16. Grand-Slam-Titel insgesamt. Federer hält hingegen weiter bei acht Triumphen in London und 20 Grand-Slam-Siegen.

Ein einziger Punkt fehlte dem Schweizer, um seine Trophäensammlung zu erweitern. Beim Stand von 8:7 und 40:15 im fünften Satz servierte Federer auf den Matchgewinn, ließ aber beide Möglichkeiten ungenutzt. Federer sollte ein Déjà-vu erleben, denn bereits vor acht Jahren, im Halbfinale der US Open 2011, hatte er zwei Matchbälle gegen Djoković vergeben. Der Mann aus Belgrad gewann in der Folge das Turnier.

Zahlen lügen doch

Federer war gefühlt der bessere Spieler, er kontrollierte dieses Duell über weite Strecken, schlug weitaus mehr Winner (94 zu 54) und machte unterm Strich um 15 Punkte mehr. Er lag in praktisch allen relevanten Statistiken voran, doch in den entscheidenden Momenten war Djoković zur Stelle. Er spielte speziell in den drei Tiebreaks sein bestes Tennis. Federer tat dies nicht.

Die Turnierverantwortlichen in Wimbledon hatten erst dieses Jahr ein Tiebreak im fünften Satz eingeführt (beim Stand von 12:12). „Ich habe gehofft, dass ich soweit komme“, sagte Djoković, der nun die jüngsten vier Matches gegen Federer allesamt gewonnen hat und im direkten Vergleich auf 26:22-Siege stellte.

Federer konnte sich nach dem verlorenen Finale nicht wirklich etwas vorwerfen, es waren Nuancen, die dieses Spiel entschieden hatten. Ein Ass im rechten Moment oder ein erfolgreich abgeschlossener Netzangriff hätten genügt, um dieses Spiel tatsächlich zu gewinnen. „Ich hatte meine Chancen, aber Gratulation an Novak, das war verrückt“, erklärte der Basler nach der wohl bittersten Niederlage seiner Karriere.

Federer: „Ich kann noch stehen"

Dass er mit bald 38 Jahren – er feiert am 8. August Geburtstag – immer noch um die großen Titel mitspielt, ringt allen Beobachtern höchsten Respekt ab. Es ermutigt Federer gewiss auch selbst, weiter um die Welt zu reisen und hart zu trainieren. „Ich hoffe, ich gebe anderen 37-Jährigen die Chance, daran zu glauben, dass es in diesem Alter noch nicht vorbei ist. Ich kann noch stehen, aber es wird ein bisschen Zeit brauchen, mich zu erholen“, sagte Federer und hatte die Lacher am Centre Court damit auf seiner Seite.

Djoković wirkte im Moment des Triumphs gefasst, er hatte nach großen Siegen schon weitaus emotionaler reagiert, mitunter sein Shirt zerrissen. „Es ist ein bisschen surreal, wenn der Gegner zwei Matchbälle hat und du später bei 12:12 auch noch ein Tiebreak spielst“, erklärte Djoković. „Das war das aufregendste Finale, das ich je bestritten habe. Leider musste einer verlieren.“

("Die Presse", Printausgabe 15.7.2019)