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Türkei hält trotz EU-Sanktionen an Gas-Bohrung vor Zypern fest

Das türkische Bohrschiff
Das türkische BohrschiffREUTERS
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Um die Interessen Zyperns zu schützen, werden EU-Gelder für die Türkei gekürzt und Verhandlungen über ein Luftverkehrsabkommen eingestellt. Ankara zeigt sich davon unbeeindruckt.

Die Türkei zeigt sich von den EU-Sanktionen wegen der Erdgas-Bohrungen vor der Küste Zyperns unbeeindruckt. Die Arbeiten würden fortgesetzt, erklärte die Regierung in Ankara am Dienstag. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, die Reaktion der Europäischen Union auf die Bohrungen müsse man nicht sonderlich ernst nehmen. "Das sind einfache Dinge. Das sind keine Dinge, die uns beeinflussen werden."

Die EU-Außenminister hatten am Montag Strafmaßnahmen gegen die Türkei beschlossen. So setzte Brüssel die Verhandlungen mit der Türkei über ein Luftverkehrsabkommen aus. Spitzengespräche unter anderem über Wirtschaft und Handel wurden bis auf weiteres gestoppt. Die Europäische Investitionsbank (EIB) wurde aufgefordert, ihre Kreditvergabe an die Türkei zu überprüfen.

Das EU-Mitglied Zypern sieht in den türkischen Erkundungen vor der Küste der geteilten Mittelmeerinsel einen Verstoß gegen internationales Recht. Auch die EU wertet die Bohrungen als illegal. Die Türkei dagegen argumentiert, sie schütze die Hoheitsrechte über ihrem Festlandsockel, außerdem müssten auch die türkischen Nordzyprern von den Rohstoffen profitieren können.

Schlechte Nachricht für Urlauber

Im östlichen Teil des Mittelmeers sind große Öl- und Gas-Vorkommen entdeckt worden. Cavusoglu zufolge sind bereits drei türkische Schiffe zur Erkundung vor der Küste Zyperns, ein viertes werde so bald als möglich entsandt. 

Für die Wirtschaft und Verbraucher sind die beschlossenen Strafmaßnahmen schlechte Neuigkeiten. Das mit der Türkei geplante Luftverkehrsabkommen soll zum Beispiel eigentlich neue Flugverbindungen ermöglichen und für günstigere Tickets sorgen. Die EU-Kommission ging zuletzt davon aus, dass die Flugscheinpreise nach einer Marktöffnung um bis zu 50 Prozent sinken und bis zu 48.000 neue Arbeitsplätze entstehen könnten.

Der Streit spielt sich vor dem Hintergrund der jahrzehntealten Teilung der Insel und der Bevölkerung in griechische und türkische Zyprer ab. Die Türkei hält den Norden der Insel seit 1974 besetzt. Damals hatten griechische Putschisten den Anschluss der gesamten Insel an Griechenland durchsetzen wollen. Türkisches Militär wehrte dies ab und kontrolliert seither den Norden. Die dortige Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Türkei, nicht aber von der internationalen Gemeinschaft als Staat anerkannt. Umgekehrt unterhält die Türkei keine diplomatischen Beziehungen zur international anerkannten zyprischen Regierung. Die Republik Zypern ist seit 2004 Mitglied der EU.

(APA/dpa)