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Handelsverband: "Alexa ist wie eine Wanze, die jedes Wort mithört“

Testbestellungen über Alexa haben laut Verband gezeigt, dass der korrekte Kaufpreis erst nach der Kaufbestätigung genannt wird.

Die Amazon Prime Days gehen heute in den Schlussspurt. In Österreich sollen laut Handelsverband knapp die Hälfte der Haushalte bereits über ein Amazon Prime Abo verfügen. „Diese Prime-Kunden sind für den restlichen Handel, und damit für die heimische Wertschöpfung, weitgehend verloren, da sie fast nur noch bei Amazon einkaufen", glaubt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Verschärft wird die Situation für den einheimischen Handel dadurch, dass bereits 30.000 Konsumenten via Sprachassistentin Alexa shoppen.
Hierzulande stehe Voice Commerce zwar noch am Anfang, das Wachstum verlaufe allerdings exponentiell, so der Verband. Die Zahl der Voice-Shopper habe sich seit 2018 verdoppelt.

Falscher Preis

Testbestellungen des Handelsverbandes hätten jedoch gezeigt, dass die Konsumentenschutzbestimmungen bei Bestellungen via Alexa in Österreich nicht eingehalten werden, so Will. Bei den Tests werde von Alexa jeweils vor der endgültigen Bestellung die Produktbezeichnung sowie der Preis genannt. Eine Bejahung der Frage von Alexa, ob der Artikel jetzt gekauft werden soll, reiche aus und die Bestellung werde zahlungspflichtig aufgegeben, erklärt der Handelsverband-Geschäftsführer. Jedoch erst nach der Kaufbestätigung nenne Alexa einen um ein Prozent höheren Gesamtpreis für das soeben bestellte Produkt.

Dies widerspreche klar der geltenden Rechtslage, so Will. Der von Alexa zunächst genannte Preis enthalte nämlich die deutsche Mehrwertsteuer (19 Prozent), erst nach der zahlungspflichtigen Bestellung werde der tatsächliche Kaufpreis inkl. österreichischer Mehrwertsteuer (20 Prozent) genannt.

Beim Handelsverband sieht man gerade aus datenschutzrechtlicher Perspektive die zunehmende Verbreitung der permanent lauschenden Smart Speaker in den heimischen Wohnzimmern problematisch. „Denn Alexa ist wie eine Wanze, die jedes Wort mithört“, sagt Will, der mit dem „New Digital Deal“ abermals auf die Umsetzung des Fair Play auch im Online-Handel drängt.

Unterschätzte Gefahr

Auch die Arbeiterkammer warnt vor digitalen Assistenten wie Apples Siri, Amazons Alexa, Googles Assistant oder Microsofts Cortana. Laut einer Studie aus dem Jahr 2017 erteilen 27 Prozent der österreichischen Haushalte bereits smarten Geräten Befehle. Aktuell geht man von etwa einen Viertel aus. Drei von vier Jugendlichen sollen bereits über derartige Erfahrungen verfügen, so die Konsumentenschützer.

Eine neue Studie im Auftrag der Arbeiterkammer von 08/2018 bis 06/2019 zeige auf, dass Datenschutz bei der Verwendung der smarten Gadgets nicht selten mehr oder weniger ignoriert wird. Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) widmet sich auf 77 Seiten vor allem dem "Überwachungscharakter" der Geräte, die in erster Linie der Bequemlichkeit dienen sollen. Der Preis könne der Verlust der Privatsphäre sein, so die Experten. Außerdem würden Qualität und Objektivität der Antworten nicht kontrolliert - es stehe die Frage im Raum, ob die virtuellen Butler nicht mehr ihrem Hersteller als ihrem Besitzer dienen.

Viele Fragen offen

Die zunehmende Verbreitung in den letzten Jahren stellt Datenschützer vor viele Fragen: Die Geräte sammeln fast unbemerkt sehr nahe am Leben der Konsumenten Informationen aus Privat- und Geschäftsleben, die in der Analyse ungeahnte Rückschlüsse ermöglichen können. Sprachprofile oder Standortdaten etwa können viel verraten, vor allem zuhause im Lebensmittelpunkt werden darüber hinaus potenziell alle Familienmitglieder bzw. auch Besucher belauscht und ihre Daten gesammelt und bearbeitet. Man wolle das Bewusstsein schärfen, dass man von einer permanenten Lauschbereitschaft ausgehen muss, so Co-Studienautor Jaro Krieger-Lamina. Privateste Unterhaltungen können als "Beifang" beim Anbieter landen.

Viele datenschutzrechtliche Fragen sind derzeit schwer endgültig zu klären: Einerseits fehlt in Österreich die Möglichkeit von Sammelklagen, andererseits sind Auskünfte über gesammelt Daten der User und vor allem der Nutzung und Speicherung oft schwer zu bekommen, vor allem wenn der Unternehmenssitz sich im Ausland befindet. Die intransparente Datenauswertung vertieft laut Konsumentenschützern das Ungleichgewicht zwischen Anbietern und Kunden.

 

 

(red./herbas)