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Banken machen gute Geschäfte im Osten

Bierlokal in Prag. In Zentral- und Osteuropa herrscht gute Stimmung.
Bierlokal in Prag. In Zentral- und Osteuropa herrscht gute Stimmung.(c) REUTERS (DAVID W CERNY)
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Osteuropa ist für die Banken wieder ein profitabler Markt geworden. Doch sind mancherorts bereits Überhitzungserscheinungen im Kreditgeschäft zu sehen.

Wien. Österreichs Banken haben in Osteuropa schon so einiges erlebt. Sie expandierten, machten schöne Gewinne und wurden nach der Finanzkrise schließlich auf dem falschen Fuß erwischt. Doch mittlerweile hat sich die Lage wieder stabilisiert.

Nicht nur haben die Profite in vielen Regionen teils historische Werte erreicht. Im Vorjahr hat zum ersten Mal seit mehreren Jahren auch kein einziger Bankenmarkt in CEE Verluste gemacht. Das ist das Ergebnis des „CEE Banking Sector Report“, den die Raiffeisen Bank International am Dienstag präsentierte. Auch der Marktanteil der österreichischen Banken im Osten näherte sich 2018 wieder früheren Höchstständen. Solche hatte man bereits in den Boomjahren der 2000er-Jahre gesehen. Das Osteuropageschäft ist für die heimischen Banken sehr wichtig. Es macht 50 Prozent der Aktiva aus, ist aber für über 70 Prozent der Gewinne verantwortlich. Bei den anderen westlichen Instituten ist dieses Verhältnis weit weniger stark ausgeprägt. Im Schnitt stehen 20 Prozent der Aktiva im Osten etwa die Hälfte der Gewinne gegenüber.

Stellten nach der Finanzkrise vor allem notleidende Kredite ein Problem dar (weil die Darlehen vielfach in Fremdwährungen vergeben wurden), gingen diese in den vergangenen Jahren deutlich zurück. Inzwischen hat die Rate ausfallgefährdeter Darlehen in CEE mit 7,7 Prozent das niedrigste Niveau seit 2010 erreicht.

 

Regulatoren schreiten ein

Doch angesichts der gut laufenden Konjunktur blüht das Kreditgeschäft. Es stieg in Zentral- und Südosteuropa zuletzt so stark an wie seit 2011 nicht mehr. „Von der Dimension und der Dynamik, wie man sie vor zehn oder 15 Jahren gesehen hat, ist man allerdings weit entfernt“, sagt Raiffeisen-Experte Gunter Deuber. Dennoch zog man in zehn Ländern Osteuropas bereits die regulatorische Bremse an. In Tschechien und der Slowakei beispielsweise schrieb die Aufsicht den Instituten sogenannte antizyklische Kapitalpuffer vor, die in den vergangenen Monaten sukzessive erhöht wurden. Ein solcher Puffer kann sich zwar auf die Ertragslage der Banken auswirken (etwa weil es weniger Spielraum für die Kreditvergabe gibt), führt im Ernstfall aber dazu, dass die Institute manövrierfähig bleiben und Verluste besser absorbieren können. Teils werden die Banken auch darum gebeten, die Relation zwischen Kreditsumme und Einkommen im Auge zu behalten.

Dieses Problem ist allerdings nicht auf Osteuropa beschränkt. Die gute Konjunktur verleitete auch österreichische Banken dazu, Kredite im Inland etwas zu locker zu vergeben. Die Finanzmarktaufsicht weist die Institute deshalb bereits seit Längerem auf die Einhaltung bestimmter Kriterien hin. Vor drei Jahren legte die FMA ihren Aufsichtsschwerpunkt auf das Thema Kreditvergabe.

 

Konsolidierung erkennbar

Fremdwährungskredite an Private sind hierzulande dafür kein Thema mehr, selbst im Osten findet dieses einst übliche Vorgehen bei der Neuvergabe kaum statt, so Deuber. Bei Unternehmen ist das anders. „In Rumänien oder Tschechien werden sie eine Firma kaum überreden können, darauf zu verzichten.“ In Zentraleuropa etwa ist der Anteil der Fremdwährungskredite auf unter 15 Prozent (früher teils über 30 Prozent) gefallen. Auch andernorts neigt sich die Kurve nach unten.

Ein Trend, der auch erkennbar ist: jener zur Konsolidierung. Besonders in den vergangenen beiden Jahren habe das Thema an Fahrt aufgenommen, so Deuber. Bei vielen gibt es den Spielraum für Zukäufe. Schließlich brauche man einen bestimmten Marktanteil, um überleben zu können. (nst)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2019)