Pferdesport: Der Reiz der Tradition im Geldregen

Die Deutsche Isabell Werth ist die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt. In Aachen strebt sie nach der Titelverteidigung.
Die Deutsche Isabell Werth ist die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt. In Aachen strebt sie nach der Titelverteidigung.(c) Rolf Vennenbernd/DPA/ picturedesk.com
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Aachen ist noch immer das Mekka für Dressur und Springen – trotz hoch dotierter Konkurrenz.

Aachen/Wien. Der Name verdeutlicht den Anspruch: „Weltfest des Pferdesports“ nennt sich der CHIO Aachen seit 1992. Es ist das einzige Turnier weltweit, bei dem sich die Sportler in allen fünf Disziplinen – Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren und Voltigieren – an einem Ort messen. 958 Pferde haben bis Sonntag ihren großen Auftritt auf der berühmten Soers, 577 davon in Turnieren, die übrigen im Rahmenprogramm. Es ist diese Mischung aus Spitzensport und Show – 1927 waren Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule zu Gast –, die alljährlich Fans in Scharen anlockt, 362.000 waren es im Vorjahr.

Angesichts der Kulisse und Tradition gilt der CHIO, kurz für Concours Hippique International Officiel (offizielles internationales Pferdesportturnier) als Mekka des Pferdesports. Die Voltigierer haben die diesjährige Auflage am Freitag eröffnet, nun wird den traditionellen Highlights entgegengefiebert. Am Donnerstag greift mit Isabell Werth die Dressur-Elite ein, an Erfolgen ist die Deutsche unerreicht. Allein sechs Mal Olympiagold und neun WM-Titel nennt sie ihr Eigen, im April sicherte sie sich zum dritten Mal in Folge den Dressur-Weltcup. Die Prozentpunkterekorde hält allerdings die Britin Charlotte Dujardin, deren kongenialer Partner Valegro jedoch bereits in Pension ist. In Aachen wird die Olympiasiegerin von 2012 und 2016 ihr Auslandsdebüt mit Erlentanz geben. Österreich wird durch Ulrike Prunthaller mit Quebec vertreten.

Mit Weihegold und Bella Rose belegt Werth in der Weltrangliste die Plätze eins und zwei, sie ist bekannt für ihr Gespür, für jedes ihrer Pferde das optimale Programm zu finden. „Früher, als junge Reiterin, habe ich dem Pferd noch eher meinen Stil aufgedrückt. Heute passe ich mich dem Pferd und seinem Können an“, erklärte sie. Das wird trotz ihrer Routine allerdings mit den Jahren schwieriger, wie sie mit einem Lächeln gestand: „Nach so vielen Küren fällt es mir manchmal schwer, noch etwas ganz Neues zu erfinden.“ Am Sonntag feiert Werth ihren 50. Geburtstag, mit dem 13. Triumph in der Grand-Prix-Kür könnte sie sich das passende Geschenk bereiten.

Uhrenstreit um den Klassiker

Während der Aachener Dressurbewerb nach wie vor unbestritten das Maß der Dinge ist, ist im Springen harte finanzielle Konkurrenz erwachsen. So liegt die Gesamtdotation beim CHIO bei rund 1,9 Millionen Euro, beim Finale der Global Champions Tour 2018 in Prag wurden indes 11,4 Millionen Euro ausgeschüttet. Die Teilnahme an der Fünf-Stern-Serie setzt allerdings auch eine siebenstellige Gebühr voraus. „Mit dem ganzen Ambiente und den Zuschauern bleibt Aachen einmalig“, ist Vorjahressieger Marcus Ehning überzeugt. Die Starterliste gibt ihm recht: 20 der Top 25 der Welt sind beim CHIO am Start.

Länderspielatmosphäre wird am Donnerstagabend zum Nationenpreis aufkommen, wenn sich die vierköpfigen Teams (ein Streichresultat) vor 40.000 Zuschauern messen. Obgleich ein Klassiker, gehört der Wettkampf schon seit 2014 nicht mehr zur offiziellen FEI-Serie. Auch hier geht es ums Geld, steckt der Streit zweier Uhrenhersteller als Sponsoren dahinter. Das kümmert die Titelverteidiger aus Deutschland wenig, sie jagen den vierten Sieg in Folge.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2019)

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