China: Selbstmorde bei Computer-Zulieferer

Foxconn-Gebaeude in Guanlan
Foxconn-Gebaeude in Guanlan(c) REUTERS (STAFF)

Eine Suizidserie bei Foxconn wirft ein grelles Licht auf die Arbeitsbedingungen in China. Foxconn ist der größte Computerzulieferer der Welt, der Konzern arbeitet etwa im Auftrag von Apple.

Wien (mar). Es ist ein dunkler Schatten, der derzeit bis in die hell glitzernden Designgeschäfte des Computerherstellers Apple reicht. Seinen wichtigsten Zulieferer, das taiwanesische Unternehmen Foxconn, erschüttert derzeit eine Serie von Selbstmorden – dieses Wochenende der siebte Suizid allein in diesem Jahr. Die Vorfälle rücken die nach wie vor üblichen drastischen Herstellungsmethoden hinter den Produkten „made in China“ wieder in ein grelles Licht – Produkte, die mittlerweile zahlreiche Regale des heimischen Einzelhandels dominieren. So sind Arbeiten von Foxconn in jedem iPhone und iPad von Apple, aber auch in vielen Markenhandys zu finden.

Foxconn ist der größte Computerzulieferer der Welt, der Konzern arbeitet im Auftrag von Apple, aber auch von Sony Ericsson, Dell, Hewlett-Packard. Eine der wichtigsten Fabriken steht in der südchinesischen Stadt Shenzhen in der Nähe von Hongkong, hier arbeiten rund 300.000 Menschen.

 

Alle sieben Fälle gleichen sich

Am vergangenen Wochenende stürzte sich ein junger Mitarbeiter von einem Fabrikgebäude in den Tod. Ein tragisches Ereignis, das jedoch eine Häufung ähnlicher Vorfälle so unheimlich macht. Insgesamt neun Menschen haben sich seit Jahresanfang von einem Gebäude herabgestürzt, berichten chinesische Medien, zwei hätten den Sturz überlebt. Der Konzern selbst gab vor wenigen Tagen die Meldung heraus, etwa 30 weitere Mitarbeiter seien gerade noch davon abgehalten worden zu springen. Alle Selbstmörder sind zwischen 18 und 24 Jahren alt, und alle waren erst seit wenigen Monaten für Foxconn tätig.

Verdeckte Reporter der Zeitung „Southern Weekly“ berichten von haarsträubenden Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten, wie auch die „Financial Times Deutschland“ schreibt. Die meisten von ihnen seien junge Wanderarbeiter vom Land, die in Schichten rund um die Uhr auf dem Fabrikgelände arbeiten und leben müssten – zusammengepfercht in winzigen Räumen in Dreierstockbetten.

Foxconn ist mit rund 800.000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Welt. Chinesische Zeitungen betonen, dass der Konzern als Arbeitgeber in der Region sehr beliebt sei. Vor den Fabriktoren sammeln sich täglich hunderte Bewerber. Ergattern sie einen Job, erwarten sie bis zu zwölf Stunden am Fließband und ein extremer Leistungsdruck, berichtet Geoff Crothall von der britischen Nichtregierungsorganisation „China Labour Bulletin“, die sich in Hongkong für die Rechte der Arbeiter einsetzt, gegenüber dem „Economist“. Die Zeit zwischen zwei Schichten verbringen sie in engen, überfüllten Räumen, monatelang, ohne das Fabrikgelände zu verlassen. „Das betrifft nicht nur Foxconn“, sagt Crothall. „Das ist die Art, wie die überwiegende Mehrheit der Fabriken in China geführt wird.“

Tatsächlich sind auch beim Konkurrenten Huawei zwischen 2006 und 2008 sechs Selbstmorde öffentlich geworden. Als Reaktion stellte Foxconn nun Psychologen ein und holte buddhistische Mönche, um Geister zu vertreiben. Wenn ein Mitarbeiter einen Kollegen mit emotionalen Problemen meldet, bekommt er ab sofort eine Prämie von umgerechnet 20 Euro.

auf einen blick

Hightech-ZuliefererFoxconn, der einen großen Teil der Apple-Produkte herstellt, verzeichnet heuer bereits sieben Selbstmorde von Mitarbeitern. Dahinter stehen oft unmenschliche Arbeitsbedingungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2010)