Israelischer Historiker nennt FPÖ-Historikerbericht Alibiaktion

"Wenn man es ernst meint, muss man gute Leute holen", sagt Moshe Zimmermann. Konkret: Eine internationale Kommission und "nicht die Leuchttürme der österreichischen Historikerzunft".

Der israelische Historiker Moshe Zimmermann äußert sich kritisch zum derzeit nur als Kurzzusammenfassung vorliegenden FPÖ-Historikerbericht. Er vermisse prominente Historiker aus Deutschland und Österreich unter den Autoren, sagte er dem "Standard" am Montag. Die Hoffnung auf ein Absegnen durch einen israelischen Experten wertet er als Alibi-Idee.

"Wenn man es ernst meint, muss man gute Leute holen, denen man hinterher nicht vorwerfen kann, dass sie nicht professionell genug gearbeitet haben", sagte Zimmermann. Richtig wäre aus seiner Sicht eine internationale Kommission mit Experten für NS-Geschichte und die Nachkriegszeit zu befassen. Die genannten Namen aus Österreich bezeichnete er als "nicht die Leuchttürme der österreichischen Historikerzunft".

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Skeptisch zeigte er sich zum Wunsch der FPÖ, den Bericht von einem israelischen Wissenschafter absegnen zu lassen. Geeignete Leute gäbe es. "Ob aber ein seriöser israelischer Historiker überhaupt bereit sein wird, mit einer von der FPÖ eingesetzten Kommission zu arbeiten? Eher unwahrscheinlich.“ Zu Mordechai "Motti" Kedar, dessen Namen in diesem Zusammenhang genannt wurde, meinte Zimmermann: "Er ist so weit rechts, das er meines Erachtens in der Lage wäre, mit der FPÖ gemeinsame Sache zu machen. Das ist ja eine Tendenz in Israel, mit den Rechtspopulisten in Europa zusammenzuarbeiten, weil diese die israelische Regierung unterstützen."

FPÖ nennt Unterstellung von SOS Mitmensch „lächerlich"

Indes hat die Organisation SOS Mitmensch am Montag darauf hingewiesen, dass der Nachname eines FPÖ-Mitarbeiters mit früheren Verbindungen zu Neonazi Gottfried Küssel in den Metadaten des Berichts herauszulesen sei. Im FPÖ-Klub wertete man den Vorwurf, der Mann habe am Bericht mitgearbeitet, als "lächerlich". Die Mitarbeit habe sich darauf beschränkt, das Word-Dokument für die Präsentation in eine PDF-Datei umzuwandeln.

>>> Bericht im „Standard“ 

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