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Hochsteiermark: Reich der Gämsen und der Kräuter

Die Hochsteiermark ist ein Ziel für Alpinsportler. Mit der Aflenzer Bürgeralm gibt es auch für Berganfänger geeignete Routen.

„Schau, Regina, was da wächst, is das net liab?" Obwohl Regina die professionelle Kräuterpädagogin ist, macht Ehemann Gustl sie auf dem Weg von der Aflenzer Bürgeralm hinauf zum Schönleitenhaus immer wieder auf blühende Schönheiten aufmerksam. Über die Jahre hat sie ihn nicht nur sensibilisiert, sondern mit ihrer Leidenschaft für alles, was wächst und gedeiht und meist auch noch heilsame Wirkung hat, angesteckt. Oft sind sie gemeinsam in den Bergen und auf den Almen der Region Hochschwab in der „Hochsteiermark" unterwegs. Gustl (eigentlich Augustin) Pronnegg, inzwischen pensionierter Polizist, ist seit 1984 bei der Bergrettung in Aflenz und seit 1986 Bergführer. Regina Müller ist auch bereits seit ca. 28 Jahren Wanderführerin und seit über zwölf Jahren Kräuterpädagogin. In ihrer Funktion unternimmt sie gemeinsam mit Gästen Wanderungen zu den schönsten und pflanzenreichsten Plätzen, führt auf dem Heilkräuterweg Aflenz oder veranstaltet Workshops, wo sie den Teilnehmern nicht nur die Wirkung der Heilkräuter erklärt, sondern sie auch in die Kunst des „Salbenrührens" mit ihren selbst gepflückten und getrockneten Blättern und Blüten einweiht.

Massiv. Der Hochschwab ist bild­bestimmend für den Wanderer.
Massiv. Der Hochschwab ist bild­bestimmend für den Wanderer.(c) Steiermark Tourismus / Naturerlebnis Bürgeralm / Tom Lamm

Die Nacht können Wanderer in einer der Almhütten verbringen, geweckt werden sie in der Früh meistens durch das Gebimmel der Kuhglocken, wenn die Tiere eine ihrer täglichen Runden auf der Alm ziehen. Diesmal geht es also gemeinsam („Ich wollt auch wieder mal raufgehen", so Gustl) von der Bürgeralm, auf 1510 Metern gelegen und mit Sessellift oder per Mautstraße erreichbar, hinauf zum Schönleitenhaus – auf 1810 Metern. Der Anstieg ist leicht und „familienfreundlich", aber für Menschen, die nicht jedes zweite Wochenende in den Bergen unterwegs sind, genauso herausfordernd. „Einfach gemächlich und beständig dahinmarschieren", sagt Regina, „viele fangen zu schnell an und sind nach wenigen Metern aufwärts schon kaputt." Der Anleitung entsprechend ist es eine recht lockere Wanderung bergauf, von der Almrauschhütte durch den Wald, über Almwiesen, vorbei an der Jauringer Alm, am Paradieslift, an Kühen, die bedächtig Gras und Almkräuter kauen.

Almröserl, Enzian und Edelweiß. Immer wieder weist Regina während der Wanderung auf ein Gewächs und dessen Nutzung und Wirkung hin – Wilde Möhre, Wiesenkümmel, Blutwurz, Seidelbast, Frauenmantel, Schafgarbe, Meisterwurz, Augentrost, Disteln und so weiter – nie belehrend, selbst wenn so mancher Teilnehmer so gar keine Ahnung von Botanik hat. Obwohl sie jedes Pflänzchen zu kennen scheint, prüft sie das eine oder andere in ihrem Buch nach, vergleicht Blüten und Blätter und freut sich über besondere Fundstücke. Der Weg führt weiter auf einem Weg durch eine dichte Latschenzone und Preiselbeersträucher, später wird es steinig. „Das Besondere an unserer Region ist, dass vieles bis weit hinauf wächst. Die Pflanzenvielfalt ist einmalig und sehr anpassungsfähig", erklärt sie. Weiter oben, am Hochriegel und mit einem Schlenker Richtung Höchstein auf einen felsigen Aussichtspunkt, sind es dann auch Almröserl, Enzian und Edelweiß, die die Herzen sowohl der Experten als auch der Wanderer erfreuen, wie auch der grandiose Ausblick auf die Berge des Hochschwabgebiets, auf das Aflenzer Becken und sogar auf den Grazer Hausberg, den Schöckl. „Schauts, da sind Gämsen", ruft Gustl. Tatsächlich, das „gämsenreichste Gebiet" Europas wird seinem Ruf gerecht, etwas unterhalb im Geröll lassen sich ein paar der Tiere in der Entfernung ausmachen.

Grün. Regina Müller (rechts) ist Wanderführerin und Kräuter-
Grün. Regina Müller (rechts) ist Wanderführerin und Kräuter- pädagogin.(c) Steiermark Tourismus / Naturerlebnis Bürgeralm / Tom Lamm

Nach dem Ausflug auf die glatten Felsen, immer unter der behütenden Begleitung von Regina und Gustl, führt die Tour wieder ein Stück zurück auf dem Weg und später über eine grüne Hochebene, vorbei an Kühen und einem kleinen See, zur anvisierten Hütte. Die Panoramaterrasse erfüllt ihre Aufgabe bezüglich Aussicht, und auch die Verköstigung ist tipptopp. „Der Hochschwab ist die höchste Erhebung in unserer Gegend und Wasserreservoir", erklärt Gustl die Besonderheit ihrer Heimat. Die Kläfferquelle bei Wildalpen gilt als die größte Trinkwasserquelle Europas, die Stadt Wien weiß das zu schätzen: 60 Prozent des glasklaren Trinkwassers kommen aus dem nördlichen Hochschwabgebiet. Die südlichen Regionen Österreichs profitieren wiederum von einem Tiefbrunnen an der Südseite des Massivs.

Kalk. Über der Baum- und Almzone werden die Berge rau und karstig.
Kalk. Über der Baum- und Almzone werden die Berge rau und karstig.(c) Beigestellt

Mit 100  Gipfeln und 40  Tälern, Flüssen und Seen ist die Region beliebtes Gebiet für Wanderer und Bergsteiger, Kletterer, Mountainbiker und einfach Naturliebhaber. Der Gipfel des Hochschwabs ist ein begehrtes Ziel für Bergsteiger: „Er ist von jeder Seite begehbar, wobei die Südwand ein Paradies zum Klettern ist. In sechs Stunden kann man von Seewiesen hinauf – von 940 auf 2247 Höhenmeter." Schönwetter sei Voraussetzung. „Im Norden ist es oft ganz anders als im Süden, das kann sehr gefährlich werden. Die Tour muss immer gut geplant sein, mit guter Ausrüstung und Vorausmeldung in der Hütte. Die Tourenplanung rettet Leben", weiß der langjährige Bergretter. Oben sei man gut versorgt mit der Schiestl- und der Voisthalerhütte, Seilbahn gibt es keine.

Wirkung. Die gesammelten Wildkräuter
Wirkung. Die gesammelten Wildkräuter werden fein weiterverarbeitet.(c) Steiermark Tourismus / Tom Lamm

Abendrot auf der Plattform. Doch bevor sich unerfahrene Bergsteiger auf das Gipfelabenteuer einlassen, ist noch Training notwendig. Vorerst geht es von der Hütte wieder talwärts, diesmal auf dem kürzeren und steileren Weg. Unten angekommen, ist die Almrauschhütte auf der Bürgeralm ein beliebter Einkehrplatz. Bewegungswillige können sich auch noch den „Skywalk", den Rundwanderweg, vornehmen, der durch den Wald, über eine Holzbrücke mit Glaselementen und zu Panoramaplattformen führt. Holzbänke sind an den besten Aussichtspunkten platziert. „Bei Sonnenuntergang ist die Bank mit Blick auf Fölzstein und Hochschwab super. In der Früh beim Gipfelkreuz mit Aussicht ins Tal", wissen die zwei Experten. Die zeitliche Abstimmung zahlt sich aus: Am Abend verfärbt sich der Himmel über den Gipfeln und Wäldern rot-orange.

Das Frühaufstehen, von Kuhglocken geweckt, lohnt sich ebenfalls: Wenn die Sonne erst die Berge rosa einfärbt, der Nebel noch durch das Tal zieht und die Landschaft immer heller und goldener leuchtet, stellt sich eine Art Glückseligkeit ein. Und wer dann noch ein Schäuflein mehr an Glück hat, dem begegnen an so einem Morgen auch noch Gämsen am Weg, nur wenige Meter vor der Nase.

Compliance: Die Reise wurde von der Region Hochsteiermark unterstützt.

Tipp

Anfahrt Bürgeralm über die Pa­noramastraße (ab dem Wirtshaus Pierergut Mautstraße) oder mit dem Sessellift von der Talstation, www.aflenzer-buergeralm.at

Unterkunft Bürgeralm: z.B: Friedlerhütte mit Selbstversorgung, www.friedlerhuette.com

Regionale Küche: Schönleitenhaus (www.schoenleitenhaus.at) und Almrauschhütte

Heilkräutercoach Regina Müller: www.heilpflanzenwissen.at

Weiterer Wandertipp: Bründlweg in Turnau. Aussichtsplattformen mit Blick auf den Hochschwab, Einkehr bei Bauern und Hütten sowie im Wirtshaus Steirereck am Pogusch. www.bruendlweg.at

Infos: Kurort Aflenz und Alpenregion Hochschwab: www.regionhochschwab.at, Hochsteiermark: www.hochsteiermark.at