Schnellauswahl

Perspektive

Anhand von sozialen, wirtschaftlichen, politischen Daten betrachtet: „100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern“ von
Anhand von sozialen, wirtschaftlichen, politischen Daten betrachtet: „100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern“ von „Katapult“, bei Hoffmann und Campe.(c) Beigestellt

Ein Infografiken- und Kartenbuch aus Greifswald verspricht eine neue Sicht auf die Welt.

Was haben Guatemala, Bolivien, Paraguay, Luxemburg, Liechtenstein, Monaco, Andorra, Vatikanstadt, Weißrussland, Schweden, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan, die Mongolei, Mali, Elfenbeinküste, São Tomé und Príncipe, Burundi, die Demokratische Republik Kongo, die Zentralafrikanische Republik, der Tschad und die Marshallinseln gemeinsam? Es sind sämtliche Länder, in die das Vereinigte Königreich nie einmarschiert ist. Das bezeugt das Hardcover „100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern". Das Greifswalder populärwissenschaftliche Magazin „Katapult" („für Kartografie und Sozialwissenschaft") hat es sich zur Aufgabe gemacht, Statistikwissen in außergewöhnliche Infografiken zu gießen. Da- bei sollte man sich vom vorangestellten, verklemmt-lockeren Vorwörtchen des Chefredakteurs nicht abschrecken ­lassen. Wussten Sie, dass Ägypten das ­eckigste, Sierra Leone das rundeste Land ist? Dass Saudiarabien keine Flüsse hat? Dass sich in Norwegens Fahne sieben andere Nationalflaggen verstecken? Dass sich der Ertrag industrieller Milchkühe seit 1990 fast vervierfachte?

Viele „Katapult"-Karten verschaffen Erkenntnisgewinn, wie etwa jene über das Ausbreitungsgebiets der Löwen, das im ersten Jahrhundert noch bis Griechenland und Indien reichte und den Großteil Afrikas bedeckte, während es sich heute auf inselähnliche Flecken beschränkt. Andere sind einfach lustig, so die mit den Namen circa zweihundert deutscher Punkbands („Das Niveau singt", „Stasi Goräng", „Kettenerektion"). Oder sie bilden Dinge ab, die man längst erfahren wollte, etwa den Alkoholkonsum pro Kopf: Russland, Moldawien, Weißrussland, Litauen, Lettland und Polen führen, während es verwundert, wie wenig in Mazedonien, Italien und Norwegen gesoffen wird – und wie viel in Südkorea oder Portugal. Verblüffend die Karte der Länder, die mehr Einwohner haben als das winzige Bangladesch – es sind sieben –, ebenso wie jene über den Frauenanteil in nationalen Parlamenten: Nur Ruanda, Kuba und Bolivien übertreffen 50 Prozent, nur Vanuatu, Papua-Neuguinea und Mikronesien haben gar keine Parlamentarierin.

www.amanshauser.at