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Sturmfrei

(c) Carolina Frank

Die Familie ist eine Woche an der Adria, der Hund und ich bleiben zu Hause, wir haben nämlich noch nicht frei.

Zärtlich geweckt zu werden ist ja an und für sich eine schöne Sache. Gut, vier Uhr 20 dann doch eine Spur früh, obwohl es schon hell ist. Andererseits: Wann hat man schon eine ganze Woche sturmfrei zu zweit, da spricht viel dafür, jede einzelne Minute voll auszukosten. Trotzdem wäre noch ganz kurz liegenbleiben schon schön, ohnehin mit der Hand auf der anderen Bettseite. Aber nein, der Hund will ­hi­naus. Und zwar jetzt sofort. Gut, ­meinetwegen. Die Familie ist also eine Woche an der Adria, der Hund und ich bleiben zu Hause, wir haben nämlich noch nicht frei. Wir frühstücken ­(selten hat die Bezeichnung für diese Mahlzeit so gut gepasst wie heute) und machen danach einen ausgiebigen Spaziergang. Die Müllabfuhr sorgt dafür, dass wir uns nicht ganz so einsam fühlen.

Später im Büro dann merke ich, dass es schwierig ist, eine Kolumne zu schreiben, wenn der Hund daneben liegt und dauernd genau schaut, was man da eigentlich so macht. Ich werde mich im Laufe der Woche wahrscheinlich noch daran gewöhnen, dass er mich überhaupt immer anschaut. Mit einigem Abstand betrachtet ist der Hund ja nicht ganz zu Unrecht irritiert: Man fährt von zu Hause extra an einen Ort, um sich dort an einen Tisch vor einen Bildschirm zu setzen, um nach zig Stunden wieder zurückzufahren, um sich dort an einen Tisch zu setzen, um zu essen. Wenn man länger darüber nachdenkt, könnte man auch als Nicht-Hund ins Grübeln kommen. Zu Hause gibt es dann Futter (für ihn, nicht für mich) und dann wieder einen Spaziergang (für uns beide). Diesmal sind sogar andere Menschen auf der Straße. Beim Rückweg ertappe ich mich dabei, wie ich dem Hund etwas erzähle. Er hört aufmerksam zu. Am Abend dann ein SMS aus Italien: „Hoffen, es geht euch gut, wir vermissen den Hund schon." Immerhin.