Auf dem Sonnendeck

Das große Format für die schöneren Tage des Jahres – und vielleicht des Lebens: BMW 840d Cabrio.
Das große Format für die schöneren Tage des Jahres – und vielleicht des Lebens: BMW 840d Cabrio.(c) Juergen Skarwan

Lange hat BMW ein großes Cabrio gefehlt. Aber hat einem Cabrio ein Dieselmotor gefehlt? Im opulenten 8er Cabrio sollen alle eine gute Figur machen: Motor, Marge und ein baldiger Ex-Chef.

Dreht sich in der Autoindustrie eigentlich alles nur noch um das Elektroauto? Den Eindruck könnte man zuweilen gewinnen, auch wenn es Stimmen gibt, die das Thema differenzierter, unaufgeregter – und ja, abwartender beurteilen. Noch-BMW-Chef Harald Krüger zum Beispiel, der die technologischen Optionen für sein Unternehmen möglichst lang offenhalten wollte – man wisse schließlich nicht, was komme –, oder sein Entwicklungsvorstand, der den Diesel bis mindestens zum Jahr 2030 und den Benziner noch weit darüber hinaus von den Bändern rollen sieht. Ein offenes Wort kommt aber nicht immer gut an.

 

Nach alter Schule

Sagen wir es so: Als Marketingbotschaft – klimarettend, zukunftsfroh, Millennials-approved – verkauft sich das Elektroauto glänzend, beim Ertrag des tatsächlichen Produktes für den Hersteller schaut es einstweilen noch weniger toll aus. Der Mann, der im Herbst Harald Krüger am Steuer bei BMW nachfolgt, kann seinem Vorgänger jedenfalls dankbar sein. Der hat mit dem 8er eine Modellfamilie auf den Weg gebracht, die dringend benötigte Margen abwerfen sollte, und zwar ganz nach alter Schule: Coupé, Cabrio, demnächst als Gran Coupé auch viertürig – ohne Stromanschluss, dafür mit jeder Menge Prunk und Luxus und gern auch einer Dieselvariante im Portfolio.

Mit der bei allen Marken und Modellen bislang etwas kratzigen Kombination von Diesel und Cabrio hatten wir soeben das Vergnügen; diesbezügliche Skeptiker (zu denen auch wir gehören) dürfen entwarnt sein: Doch, das geht mittlerweile zusammen.

 

Sonores Mahlen

Jedenfalls bei BMW, wo man den Dreiliterreihensechser über die Jahrzehnte so gepflegt und verfeinert hat, dass er nun auch in diesem Orchestergraben aufspielen darf: Im Motorraum eines knapp 4,9 Meter langen und imposant teuren Edelcabriolets, in dem jegliches rustikales Gebaren kaum toleriert würde. Stattdessen: Effektvolles Zum-Dienst-Melden fast nach V8-Manier, nachdem man den Startknopf gedrückt hat, fürderhin sonores Mahlen und Wohlklang in allen Lebenslagen, bis hin zu ausgesprochener Drehfreude, soweit es der Rahmen eines Selbstzünders halt zulässt.

Doch zunächst zum Format des großen Cabrios, mit dem sich BMW in der Vergangenheit immer schwergetan hat. Der originale 8er, wenig ruhmreich und ohne direkten Nachfolger 1999 ausgelaufen, litt schwer am Makel, über keine offene Version zu verfügen (es gibt eine, aber die steht als Prototyp im BMW-Museum). Der nachfolgende 6er reichte als Cabrio nicht ganz in die Luxusklasse.

Spätestens mit der Wiedergeburt des S-Klasse–Cabrios musste BMW nachziehen, um der spendierfreudigen Anhängerschaft ebenfalls das Dach öffnen zu können. Dabei rangiert der 8er eigentlich auf Höhe der zweitürigen E-Klasse – in den Abmessungen, bei den Motoren, wenn auch nicht beim Preis.

Feiert die offene S-Klasse unverhohlene Opulenz und ausschließlich V8-Grandezza, darf es beim BMW schon auch etwas Kleineres sein. Doch was der Diesel völlig mühelos an Power bereitstellt, dafür brauchte es beim alten 8er noch einen ausgewachsenen Zwölfzylinder. Und eher kam man mit diesem auf 18 Liter denn auf acht Liter im Schnitt, wie wir es auf unseren Testfahrten sogar noch unterbieten konnten. Nach dem Tanken meldet die Borduhr gut 1000 km Reichweite.

Der 8er ist zwar sehr sportlich hergerichtet, aber es erscheint doch etwas unpassend, in diesem Auto späte Bremspunkte zu setzen, selbst wenn ein G-Force-Meter, der im Digitalcockpit die Fliehkräfte anzeigt, anderes suggeriert. Es gibt ja auch eine (optionale) Nachtsichtkamera, die ebenfalls kein Mensch braucht, zumal sich die Scheinwerfer mit LED-Laserlicht bestücken lassen, mit dem sie die Nacht zum Tag machen. Unser Motto im 8er: Ein nobles Auto gehört nicht auf die Überholspur, dort sollen sich die Eiligen tummeln.

Das 8er-Cabrio fühlt sich satt an, aber nicht schwer, und es springt freudvoll um die Ecken und Kurven – ein Verdienst nicht zuletzt der serienmäßigen Integralaktivlenkung, bei der die Räder der Hinterachse je nach Tempo mit den Vorderrädern oder gegen sie einschlagen. Das verkürzt den Wendekreis auf Golf-Niveau, eine große Erleichterung beim Rangieren und allen möglichen Manövern, bei denen es eng zugeht.

Das Textilverdeck ist binnen 15 Sekunden gelüpft, ein sehenswerter Akt, den man aus der Ferne veranlassen kann oder auch während der Fahrt. Das Interieur glänzt mit Manufakturqualität, für jegliche Steigerung empfiehlt sich die Hausbibel der Marke: der Katalog mit der Sonderausstattung.

BMW 840D X-DRIVE CABRIO

Maße L/B/H 4843/1902/1339 mm. Radstand 2822 mm. Leergewicht 2030 kg (EU). Kofferraumvolumen 350 Liter.

Motor R6-Zylinder-Turbodiesel, 2993 ccm. Leistung max. 235 kW (320 PS) bei 4400/min. Drehmoment max. 680 Nm bei 1750–2250/min.

0–100 km/h in 5,2 sec.

Vmax 250 km/h.

Allradantrieb.

Achtgangautomatik (Wandler).

Testverbrauch 7,7 Liter/100 km.

Preis ab 121.250 Euro.

Compliance-Hinweis:

Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2019)