Woran Innovation scheitert

Der Ziegelkonzern Wienerberger arbeitet mit dem deutschen Start-up Airteam, um mittels Drohnen Ziegeldächer zu vermessen.
Der Ziegelkonzern Wienerberger arbeitet mit dem deutschen Start-up Airteam, um mittels Drohnen Ziegeldächer zu vermessen.(c) imago/Westend61 (imago stock&people)

Die Hälfte der Projekte in großen Unternehmen wird wegen internen Widerstands begraben. Partner sind daher bei Erfindungen ein Erfolgsfaktor, besonders Start-ups.

Wien. Erfindungen halten Unternehmen nicht nur jung – sie sind die Voraussetzung dafür, auch im schärfsten Wettbewerb mit der Welt zu bestehen, Geld zu verdienen und daher nicht unterzugehen. Das wissen auch die Chefs von Firmen im deutschsprachigen Raum von Daimler über Airbus bis zu AVL List und Magna Steyr – auch wenn sie trotz aller Ambitionen höchstwahrscheinlich neidvoll auf Amazon und Google schauen. Die beiden US-Riesen wurden soeben von der Unternehmensberatung EY zu den globalen Forschungskaisern gekürt.

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Aber es geht nicht nur um das nötige Kleingeld, es geht auch um das „Erfinderklima“ in einem Unternehmen. Eine zündende Idee trägt nämlich nur dann Früchte und füllt die Kassen, wenn sie auch umgesetzt wird. Und da sieht es in Deutschland, Österreich und der Schweiz schon weniger gut aus. Nahezu jedes zweite Projekt (48 Prozent) scheitert am unternehmensinternen Widerstand. Das ergab eine Studie des Gründernetzwerks Pioneers, in deren Rahmen Führungskräfte von 104 Unternehmen mit 1000 Beschäftigten und mindestens 500 Mio. Euro Umsatz in der sogenannten DACH-Region befragt worden sind.

 

Bremser im Mittelfeld

„Innovation heißt immer Veränderung, Risiko und mehr Arbeit – das wiederum löst bei vielen Menschen Angst und Ablehnung aus“, hat Anton Schilling, der Leiter der Beratungssparte von Pioneers, eine Erklärung für die hohe Ausfallsrate parat. Dabei seien die Betonköpfe vor allem im mittleren Management zu finden. „Die haben offenbar am meisten zu verlieren.“ Wobei sich die aktuelle Situation in Großkonzernen kaum von jener vor 20, 30 Jahren unterscheiden dürfte: Schon damals hieß es, dass ein Drittel der Mitarbeiter Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen ist und ein weiteres Drittel nur sehr widerwillig. Schilling geht sogar von 80 Prozent aus, wie er am Donnerstag bei der Präsentation der Studie betonte. Höchste Priorität habe daher die Verbesserung der Innovationskultur.

Dabei spielt das Topmanagement eine ganz wichtige Rolle – generell ist Innovation Chefsache: 79 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass ein starkes Engagement der Bosse der Schlüssel zum Erfolg einer Erfindung ist. Wobei sich diese keineswegs auf ein neues Produkt und/oder den Schritt in einem neuen Markt beschränkt. Hirnschmalz ist auch gefragt, wenn es um die Modernisierung bzw. Umstellung von firmeninternen Prozessen oder die Verbesserung bzw. Neuausrichtung der Unternehmenskultur geht. Nach Fusionen oder Übernahmen spielen diese Faktoren eine ebenso große Rolle wie beim Verkauf von Firmenteilen.

Und wenn der große Wurf allein nicht gelingen will? Dann heißt es, auf Partnersuche zu gehen. Wobei die Zusammenarbeit „unter Gleichen“ zwar nicht immer schiefgehen muss, aber schwierig ist, wie die Hälfte der Befragten einräumt. Eine große Hürde dabei stelle die Sicherheit des geistigen Eigentums dar, eine andere, den richtigen Partner mit ähnlichen Zielen aus einer anderen Branche zu finden.

Ein gutes Beispiel sei Smatrics, die Kooperation von OMV und Verbund für E-Tankstellen, sagte Studienautorin Antonia Frizberg. Eine weitere Erfolgsstory könnten VW und Ford schreiben, die vor einer Woche eine globale Allianz bei Elektroautos und autonomem Fahren bekannt gegeben haben.

 

Klare Erwartungen

Völlig neue – und, wie die Studie zeigte, oft bessere – Möglichkeiten bietet indes die aufstrebende Start-up-Szene. 88 Prozent der befragten Unternehmen arbeiten bereits mit Start-ups zusammen, so gut wie alle wollen das in den nächsten zwei Jahren (wieder) tun. Auch da gibt es bereits Pioniere: 40 Prozent der befragten Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren schon mit mehr als elf Start-ups kooperiert, zumindest ein Projekt war erfolgreich.

Auch da hat Schilling zwei positive Beispiele aus Österreich parat: Der Ziegelkonzern Wienerberger arbeitet mit dem deutschen Start-up Airteam, um mittels Drohnen Ziegeldächer zu vermessen. Die Raiffeisen Bank International hat wiederum mit Kompany (bietet Unternehmen gegen Gebühr Zugang zu amtlichen Handelsregisterinformationen von mehr als 100 Millionen Firmen in mehr als 150 Ländern) ein Handelsregister für die Prüfung der Kreditwürdigkeit entwickelt.

Der Zugang zum Start-up-Partner ist vielfältig: Nicht ganz überraschend brachte Schilling externe Berater und Vermittler – wie eben Pioneers – ins Spiel. Aber es gibt auch Firmen, wie etwa die Hightech-Schmiede Frequentis, die selbst Start-ups „züchten“.

Erfolgreich sei die Zusammenarbeit mit dem Nachwuchs dann, wenn die Erwartungen von Anfang an klar definiert worden seien und die Führungsebene mitspiele. Laut Pioneers und dem „Austrian Start-up-Monitor“ gibt es 1500 bis 2000 Start-ups in Österreich. (eid)