Summer of '69

Der „Summer of '69“, wie ihn ein Popsong beschwört, war nicht nur ein magischer, epochaler Abschnitt im Kontinuum der Zeitenläufte, weil die Menschheit gebannt zum Mond starrte – und auf den Schwarzweißfernseher.

Dass sich da oben am Himmel tatsächlich Weltbewegendes tat, brannte sich ins kollektive Gedächtnis ein. Und nebenbei: „Man on the Moon“ ist der bessere Song.

Unten auf der Erde war kurz darauf die Hölle los, als Hippie-Heerscharen die Wiesen des Farmers Max Yazgur in Bethel in New York stürmten, um drei Tage lang im Matsch zu tollen. Eine Orgie aus Love, Peace & Happiness verhieß das Festival Mitte August, das eigentlich in Woodstock über die Bühne gehen sollte, nach endlosen Streitereien vor dem Aus stand und dann doch zum Mythos wurde. Wer nicht dabei war, sah sich leid – und viele, die hingepilgert waren, konnten sich hinterher nicht mehr so recht erinnern.

Mit Love, Peace & Happiness ist es heute nicht weit her, das Revival an der Kippe: Absagen, Finanzprobleme, Chaos. Es fehlt die Magie. Liegt es am Line-up, am Auftritt des Popsternchens Miley Cyrus, eines Idols für Achtjährige? Die Stars von damals: grau, greis, verblasst – oder verblichen wie Joe Cocker, Janis Joplin und Jimi Hendrix, die allenfalls zum Hologramm taugen. Vermutlich schauen sie von oben, den Gefilden des Mondes, beschämt weg. (vier)

Reaktionen an:thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2019)