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„Als ich jung war“: Übergriff und Untergriff

Unwillkürlich stellen sich bei der Lektüre von Norbert Gstreins Roman Verdächtigungen gegen männliche Figuren ein. Subtil entrollt er, wie eng die Kategorien Geschlecht, Sexualität und Machtmissbrauch verbunden sein können.

Alot remained to be explained“, so lautet das Motto von Norbert Gstreins jüngstem Roman „Als ich jung war“. Er erzählt von einem ungeklärten Todesfall und liest sich anfangs wie ein Krimi – doch beseitigt die Handlung keine Unklarheiten, sondern wirft beständig neue auf. Gstreins versiertes Spiel mit Erwartungen, die die Lektüre weckt, ist eine subtile Beschäftigung mit Geschlechterbeziehungen in der Nachfolge der MeToo-Bewegung.