Agilität für Unternehmen

Agil über Nacht, Folge 9

Agile Rahmenstrukturen

Endlich, nach acht Folgen liegen die komplizierteren der agilen Rahmenstrukturen hinter uns. Heute geht es um das Erfolgsmodell von Spotify.

Kennen Sie Spotify? Der Streaming-Anbieter erfand seine eigene, chaotisch-bunte Scrum-Variante, die Spotify Engineering Culture. Auch sie funktioniert.

Bei Spotify gibt es vier Organisationsformen:

  • Squads sind dauerhafte Gruppen von weniger als acht Mitarbeitern, die sich um Produktfunktionen kümmern. Sie sind schnell und von anderen Squads unabhängig, nah beieinander und von einer langfristigen Mission inspiriert. Die Squads arbeiten mit Release-Trains: Dort werden z.B. vierzehntägig die Produktfunktionen (wie kennen sie unter dem Begriff Inkremente) auf den „Zug" geladen, egal, ob sie fertig sind oder nicht. Die Trains fahren auch mit halbfertigen Funktionen los, damit es an anderer Stelle nicht zu Verzögerungen kommt. Repariert und vervollständigt wird dann unterwegs. Scrum-typisch treffen sich die Squads regelmäßig zu Retrospektiven, weniger um zu planen als über Verbesserungen nachzudenken.

  • Tribes bestehen aus mehreren Squads, die zusammen am Produkt arbeiten. Ein Tribe sollte höchstens 100 Mitglieder haben.
  • Chapter setzen sich Matrix-gleich aus einzelnen Mitarbeitern unterschiedlicher Squads zusammen, die eine gemeinsame Fähigkeit haben (z.B. alle sind Datenbankadministratoren). Der Chef des Chapters fungiert als Coach der Truppe.

  • Guilds sind nichts anderes als Communities of Practice (CoP) - informelle Gruppen rund um ein bestimmtes Thema (z.B. Java-Programmierer), die sich in der Arbeitszeit treffen. Sie dienen Austausch, Innovationsförderung und Weiterbildung.

Spotify-Gründer Daniel Elk meinte es ernst, als er sagte: „Wir streben an, schneller Fehler zu machen als die anderen.“ Kreativität wiegt schwerer als Bürokratie und Risikoabsicherung. Das belegen auch Spotifys Firmenwerte (z.B. Chaos > Bürokratie, Fehlerbehebung > Fehlervermeidung, Diener > Herr) und das Konzept des „begrenzten Explosionsradius“: Weil jeder Squad für sich arbeitet, wirkt sich ein Fehler nur auf dieses aus.

Spotifys Matra lautet „Denken, konstruieren, ausliefern, anpassen“. Viele Ideen daraus kennen Sie bereits: etwa die Abneigung gegen Verschwendung (japan. muda) oder das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung (japan. kaizen).

Alle zehn Tage gönnen sich die Squads einen Hack-Day – einen Tag, an dem sie basteln, was imemr sie wollen.

In Kreativbranchen und bei überschaubar großen Firmen kann die Spotify Engineering Culture ganz gut funktionieren. Bei richtig großen Organisationen aber bewähren sich pragmatische Methoden wie LeSS, LeSS Huge, SAFE oder DAD besser.

 

Nächste Woche: Jetzt geht’s los mit dem Unternehmensumbau.

Die Anregungen zu dieser Serie stammen aus dem Buch von Doug Rose: Das agile Unternehmen.