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Das fade Thema Umweltschutz

2016 beschloss die UN Nachhaltigkeitsziele für Unternehmen. Nur kümmert das in Österreich kaum jemanden.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

Obgleich sich jeder selbst der Nächste ist, gelang es der Weltgemeinschaft 2016, mit der Verabschiedung der UN-Nachhaltigkeitsziele in der „Agenda 2030“ in Form von 17 Sustainable Development Goals (SDG) eine umweltpolitisch richtungsweisende Entscheidung zu fällen. „Auch nur eine Augenauswischerei“, sagen die einen; „wird eh nicht wirklich umgesetzt“, die anderen, gehen lieber demonstrieren und vergessen dabei, dass sie selbst auch einen positiven Beitrag leisten könnten. Viele haben aber erst gar keine Meinung, da sie schlicht nicht wissen, worum es sich bei den SDG eigentlich handelt.

Diesem bedeutenden Kürzel Leben einzuhauchen hat man nämlich in den einzelnen Ländern – zumindest aber in Österreich – völlig vernachlässigt. Wer das nicht glaubt, sollte Bekannte, Passanten oder Manager nach den SDG fragen. Die Antwort wird ernüchternd sein. Außer diese Ziele zu beschließen, hat man es völlig verabsäumt, dem Thema durch Erklärungen, ja vor allem auch durch das Aufzeigen, wie die Ministerien das umsetzen sollen und der nötigen Werbung, jene Wichtigkeit zu verleihen, die ihm zusteht. In Österreich gibt es nicht einmal eine Stabsstelle, die für alle Ministerien die SDG-Umsetzung koordiniert und deren Umsetzung mitverfolgen und vor allem auch einfordern soll, jeder macht irgendetwas. Und auch den Medien ist das Thema nicht wichtig genug. So wurde uns aus der Chefredaktion einer der großen überregionalen Tageszeitungen unlängst ausgerichtet, dass das Thema SDG für Unternehmen doch eher ziemlich fad sei.

 

Dornröschen lässt grüßen

Doch so schnell sollte man das Thema nicht abschreiben, denn es wird sicher noch sehr relevant für Unternehmen werden. Nur wer sich dessen bewusst ist und sich eingehend damit beschäftigt, wird zu den Gewinnern zählen. Beispiel gefällig? Wer hätte vor Jahren gedacht, dass die Klimaneutralität eines Unternehmens zur Grundvoraussetzung für die Teilnahme an einer Ausschreibung wird? Es wäre also an der Zeit, die SDG aus dem Dornröschenschlaf zu holen und in jedem Unternehmen darüber nachzudenken, welche der 17 SDG für das eigene Unternehmen von Relevanz sein und durch Implementierung einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten könnten. Damit würde man nicht nur einen wertvollen Beitrag für die Umwelt leisten und zukünftigen Ansprüchen gerecht werden, sondern sich darüber hinaus auch bei der Personalsuche gegenüber anderen Unternehmen profilieren. Denn die zukünftigen Mitarbeiter der Generation Z werden garantiert mehr auf diese „Feinheiten“ reflektieren, als man es noch heute vermuten würde. Untersuchungen belegen bereits, dass diese jungen Menschen großen Wert auf ethisches Handeln ihrer Arbeitgeber legen.

Dass man seine Mitarbeiter aktiv bei der Umsetzung der SDG einbeziehen soll, um sie dabei in ihrem persönlichen Lebensumfeld nachhaltig zu beeinflussen, versteht sich von selbst. Wer erkennt, wie positiv diese Maßnahmen im Unternehmen gelebt werden, wird sein ganz persönliches Handeln ebenfalls viel eher nachhaltiger ausrichten.

Das Thema Klima und Umweltschutz (SDG Nr. 13) sei nur ein Beispiel: Letztendlich beeinflussen wir alle gemeinsam das Klima, und jeder noch so kleine Schritt kann nur positiv sein. Es gibt viele Möglichkeiten, im Unternehmen Klima- und Umweltschutzmaßnahmen zu implementieren, sei es aus Überzeugung oder aus Marketingüberlegungen – der Umwelt sind die Beweggründe aber schließlich egal. Man muss es nur tun!

Hans Harrer ist Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft und Initiator des SDG Awards für Unternehmen.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2019)