ImPulsTanz: Die Jagd nach dem Moment

Milewska (links) und Miernik in der Galerie Significant Other, wo ihr Studio ist.
Milewska (links) und Miernik in der Galerie Significant Other, wo ihr Studio ist.Caio Kauffmann

Karolina Miernik und Emilia Milewska fotografieren für das Festival – und stellen nun eine Auswahl ihrer Bilder in der Galerie Ostlicht vor.

Diese Woche ist verrückt“, sagt Karolina Miernik. Bis vier Uhr früh ist sie mit ihrer Kollegin Emilia Milewska an den Fotos gesessen. Etwas, was in dieser Zeit des Jahres durchaus öfter vorkommen kann: Die beiden fotografieren seit 11. Juli und noch bis zum 11. August für das ImPulsTanz-Festival – Künstler und Performances, Proben und Workshops, hin und wieder auch den Ausklang im Vestibül, Miernik (38) seit inzwischen acht Jahren, Milewska (32) seit vier.

Wie viele Bilder sie in der Zeit geschossen haben, können sie gar nicht beantworten – allein am Vortag ist Miernik mit mehr als 1000 Fotos ins Studio gekommen, insgesamt sind es Zigtausende. Eine kleine Auswahl davon stellen die beiden Fotografinnen nun in der Galerie Ostlicht in der ehemaligen Ankerbrotfabrik in Wien Favoriten aus: 33 Fotos, die unterschiedliche Momente und Blickwinkel einfangen, Körper im Bühnenlicht, Gesichter voller Emotionen oder abstrakte Kompositionen aus Formen und Farben. „Wir haben die Bilder intuitiv ausgewählt“, sagt Miernik.

Zu sehen ist da etwa die Künstlerin Peaches bei ihrer Performance im Museumsquartier vor zwei Jahren, es gibt Bilder von Doris Uhlichs nackten Tänzern auf dem Baugerüst der Secession. Da sind Probenbilder von Ismael Ivo und Fotos von seiner Bibliothek der Körper, ein Moment aus dem heftigen Syrien-Manifest von Keith Hennessy, das Miernik auch vier Jahre danach noch bewegt, oder zwei Hände, die sich beinah treffen: Details aus einer Choreografie von Benoît Lachambre.

 

Fotografinnen auf der Bühne

Dass Miernik, die aus dem polnischen Wroclaw kommt und vor zwölf Jahren nach ihrem Fotografiestudium nach Wien kam, beim ImPulsTanz gelandet ist, war eigentlich reiner Zufall: Eine gute Freundin hatte sie vor neun Jahren eingeladen, doch bei ihrem Tanzworkshop im Arsenal vorbeizuschauen. Miernik war zunächst skeptisch – und rasch total begeistert. Sie machte Fotos, „eigentlich illegal“, aus denen im Jahr darauf eine kleine Ausstellung wurde – und die Zusammenarbeit.

Bei allem Stress mache es großen Spaß, für das Festival zu fotografieren. „Unglaublich toll“ seien die (General-)Proben, bei denen die Fotografinnen mitunter auf der Bühne sind, sagt Milewska, die ebenfalls aus Polen kommt und die von Miernik vor vier Jahren dazugeholt wurde – als Duo firmieren sie unter dem Namen yako.one. „Auch in den Workshops sind teilweise echte Superstars – und wir dürfen sehen, wie sie arbeiten, das ist wunderschön.“

Tänzer zu fotografieren hat freilich auch seine besonderen Herausforderungen – besonders bei Premieren. „Manchmal ist es ein bisschen wie Jagen“, sagt Miernik lachend, während Milewska die Kamera hernimmt und vorzeigt, wie stressig das sein kann. „Man will keine Bewegung verpassen. Und manchmal sieht man auch erst nachher, dass man etwas ganz Unerwartetes eingefangen hat“, sagt Milewska. „Das ist auch wirklich super.“

Wenn das ImPulsTanz-Festival dieses Jahr am 11. August vorbei ist, werden die beiden Fotografinnen, die abseits der Tänzer immer wieder zusammenarbeiten, aber auch ihre eigenen Projekte machen, einmal eine kurze Pause einlegen – und zur Erholung zu einem kleinen Festival in die Steiermark fahren, das sie unlängst entdeckt haben. Die Kameras lassen sie zu Hause. Die großen zumindest.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2019)