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God Save the Queen – und ihren Sinn für subtile Kritik

Boris Johnson, die Queen - und ein Dyson-Ventilator.REUTERS

Königin Elizabeth II hält sich bekanntlich aus innenpolitischen Angelegenheiten heraus. Wirklich?

Für Königin Elizabeth II. war es Routine: In einem hellblauen Kleid, mit einer Tasche ihres Lieblingslabels Launer empfing sie Boris Johnson im Buckingham Palast, um den neu gewählten Chef der Konservativen im Amt des Premierministers zu ernennen. So, wie sie es schon bei den 13 Regierungschefs seit ihrem Amtsantritt 1952 gemacht hatte - ganz gleich, in welcher politischen Krise sich ihr Königreich gerade befand.

Die Queen hält sich ja bekanntlich aus innenpolitischen Angelegenheiten heraus. Heißt es zumindest. Denn inmitten von Familienporträts, gold umrahmter Gemälde und der klassisch-eleganten Sitzgruppe stach da am Mittwoch ein Ventilator der britischen Erfolgsmarke Dyson in dem sonst so perfekt inszenierten Stillleben ins Auge.

Was wollte uns die Queen damit sagen? Dass das britische Königshaus trotz seiner 93 Jahre alten Monarchin im 21. Jahrhundert angekommen ist? Dass sie auch bei der ungewöhnlichen Hitzewelle - am Mittwoch hatte es in London 31 Grad - angesichts ihres hitzköpfigen Gegenübers einen kühlen Kopf bewahren kann?

Oder war es doch eine dezente Kritik an Johnson selbst, der sein Land am 31. Oktober lieber chaotisch aus der EU führen will, als sich dem Austrittsvertrag - und Brüssel - zu beugen? Schon kurz nach dem Amtsantritt von Theresa May sorgte Elizabeth bei einer Rede im Parlament für Furore - mit einem kornblauen Hut, der außergewöhnlich stark an die EU-Flagge erinnerte.

Dazu sollte man wissen: James Dyson, der als Erfinder des beutellosen Vakuum-Staubsaugers zum drittreichsten Mann Großbritanniens avancierte, machte sich vor Kurzem aus dem Staub: Er, der den Brexit stets befürwortet hatte, übersiedelte Privatsitz und Firmenzentrale kurzerhand nach Singapur.