Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Klassik

Tannhäuser, der traurige Bayreuther Clown

Bayreuth
Tannhäuser (Stephen Gould) und Venus (Elena Zhidkova) auf dem Road-Trip durch den Thürningischen Wald.Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele
  • Drucken

KritikTobias Kratzer liefert bei den Bayreuther Festspiele eine Neu-Inszenierung für Fortgeschrittene zwischen Humor und Tiefsinn. Ein Stimmenfest ist der Sängerkrieg jedoch nur bedingt und unter Valery Gergiev wackeln die Ensembles gehörig.

Zwei Akte lang denkt man, das sei zwar der witzigste „Tannhäuser“ überhaupt, aber der Regisseur Tobias Kratzer fechte seinen redlichen Kampf doch mit den falschen Mitteln. Redlich, weil er sich keineswegs über Wagner und das Werk lustig macht – obwohl sich mancher Gag notgedrungen etwas wichtig nimmt und vor die Musik schiebt. Und falsch, weil man zunächst befürchtet, der in den Frauenfiguren personifizierte Grundkonflikt würde banalisiert – und somit die Musik ad absurdum geführt. Aber im todtraurigen dritten Akt ist dann grandios Schluss mit lustig.

Auch das Zuschauerhirn braucht also gleichsam einen langem Atem bei dieser Neuinszenierung des im schönsten Sinne problematischsten Werks Wagners, mit dem er trotz verschiedener Umarbeitungen nie zufrieden werden konnte. Einen langen Atem, den Valery Gergiev am Pult jedenfalls in der Ouvertüre der hier gegebenen Dresdner Fassung beweist – mit weit gespannten, im Klang aus Blech und Holz gut verschmolzenen Pilgerchor-Phrasen.