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Öbag erwacht zum Leben

Er könne sich erste Zukäufe in Schlüsselindustrien vorstellen, sagt Öbag-Chef Thomas Schmid beim Salzburg Summit.

Wien. Im Vorfeld war viel von einem Gegen-Forum-Alpbach die Rede, was die Organisatoren des ersten Salzburg Summits, Unternehmerin Gabi Spiegelfeld und IV-Chef Georg Kapsch, stets bestritten. Doch schon bei der Eröffnung des dreitägigen Wirtschaftsgipfels, der zeitgleich mit dem ersten Premierenwochenende in der Festspielstadt stattfand, war klar: Es handelt sich um ein Nationalwirtschaftsforum mit internationalen Gästen wie etwa dem wichtigsten Industriellen Schwedens, Marcus Wallenberg, nach Vorbild Davos. Soll heißen: Die Frage, welche CEOs österreichischer Spitzenunternehmen denn eigentlich dabei waren, ist schnell beantwortet: alle.

Zentrales Thema des ersten Salzburg Summit war „Innovation in Europa“, ein Zusatz zog sich allerdings wie ein roter Faden durch alle Panels des gestrigen Tages: „Wir haben noch sehr, sehr viel Luft nach oben.“ Oder, wie es Georg Kapsch, Präsident der Österreichischen Industriellenvereinigung, formulierte: „Wir müssen an Stärke und Dynamik gewinnen, sonst werden wir in Europa zwischen dem neoliberalen US-Modell und dem Staatsmodell Chinas zerrieben werden.“ Es sei eine „ungesunde Abhängigkeit“, wenn 80 Prozent aller in Europa verwendeten elektronischen Komponenten aus China kämen.

 

Skepsis manchmal angebracht

Der deutsche Unternehmer und Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg warnte davor, neue Technologien nur „mit der Regulierungsbrille zu sehen. Wir müssen unsere Risikobereitschaft wieder entdecken“. Altbundeskanzler Sebastian Kurz sprach sich dafür aus, keine Angst vor Innovationen zu haben, sich aber bestimmte Unternehmen genau anzuschauen – also etwa den Plänen von Facebook, mit Libra eine eigene parallele Krypto-Weltwährung zu schaffen, skeptisch zu begegnen.

 

Zukäufe nicht ausgeschlossen

Thomas Schmid, Chef der österreichischen Staatsholding Öbag, gab Einblick in die strategische Neuausrichtung des Beteiligungsmanagements bei Post, Telekom Austria, OMV, Casinos, BIG, A1 und Verbund: Der Öbag geht es um eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts und des Forschungs- und Entwicklungsstandorts Österreich mit Hilfe des Kapitalmarkts.

Der klare strategische Fokus liegt auf den Beteiligungsunternehmen, aber auch Zukäufe in Schlüsselindustrien sind nicht ausgeschlossen, betonte er. Zu einem Vorbild für die Österreichische Staatsholding ist der finnische Staatsfonds Solidium geworden, in dem Anteile von insgesamt 13 börsenotierten Unternehmen sind. Aber man könne sich etwa auch bei dem norwegischen Staatsfonds inspirieren lassen, der freilich ein wesentlich größeres Portfolio hat. Er ist mit einem Gesamtvolumen von einer Billion Dollar der größte der Welt.

Apropos Innovation: Vorstellbar ist für die Öbag auch die Installation oder Beteiligung an einem Innovationsfonds, wie ihn dieser Tage Wirtschaftskammer- und Nationalbankpräsident Harald Mahrer wieder thematisierte. „Für einen Nachhaltigkeitsfonds bedarf es einer politischen Entscheidung, wir sehen uns in Themen wie Nachhaltigkeit und Kapitalmarktorientierung mit diesem Vorschlag stark unterstützt“, sagt Schmid. Das entspräche auch seiner Strategie, Investitionen in grüne Technologien voranzubringen und privates Kapital zu mobilisieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2019)

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